Hilfe, er ist ausgezogen

Nov
19/15

„Er ist ausgezogen“, jaulte ich leise ins Telefon. „W-w-was?“, stotterte Freundin K. „Ja, er schläft jetzt in seinem eigenen Zimmer“, flüsterte ich. Dann fiel mir ein, dass ich gar nicht mehr flüstern musste. „In seinem Bett!“, sagte ich normallaut. „Es fühlt sich ganz schön komisch an.“ „A-a-aber wieso denn? Oh Gott. Hattet ihr Ärger? Versteht ihr euch nicht mehr?“ K. klang wirklich geschockt. „Ach so, nein, nicht der Mann!“, sagte ich, „das Baby…!“
Baby

Vor ein paar Tagen war das Baby aus unserem Bett gefallen. Auf den Bettvorleger, zum Glück, aber es hatte schrecklich gerumst. Jetzt ist Schluss, dachte ich. Es ist Zeit. Er braucht ein Bett. Sein Bett. Ein Gitterbett. Bei uns im Schlafzimmer war dafür kein Platz, das war die ganze Zeit klar gewesen. Zumindest nicht, wemn es hinterher noch schön aussehen sollte und nicht nach Bettengeschäft, nach: „Was bitte sehr wollen sie kaufen, ein Ehebett, ein Gitterbett, ein Beistellbett?“ Das Beistellbett musste noch bleiben, das war klar. Wenigstens ein wenig Rausfallschutz, wenn wir zu fünft im Bett liegen.

Zu fünft. Fand ich doch immer so eng. Jetzt fand ich die Vorstellung plötzlich groß. Ganz groß. So groß wie das Bett in dem ich gerade ganz allein lag. Ich griff nach seinem grünen Kuschelhasen. Ich roch daran. Ich hätte heulen können. Ne komm, dachte ich, nicht schnulzig werden. Und dann: Was für eine Schnapsidee, ihn ausziehen zu lassen.

Dabei hatte ich mich schon so lange darauf gefreut. Sein Bett im Zimmer seiner Brüder. Meine Punkte an der Wand dahinter. Ein Buch als Bild – wie schön. Der gestreifte Bettvorleger. Alle drei in einem Zimmer. Jetzt echt Betten-WG. Bett neben Bett neben Bett: Beinahe wie der Schlafsaal bei Nanny McFee. Juchhu!

Und dann hatte es auch noch geklappt. Ich hatte den beiden Großen ihre Geschichten vorgelesen, wie immer. Dann ihm, ein Babybuch, auf der Matratze. Kurz gestillt, gesungen, rein in sein Bett. Er drehte sich um. Und schlief. Ich drehte am Rad.

Ich ging ins Bett. Ins große, breite, leere Bett. Mit einem heißen Tee und einem dicken Buch. Ich knippste extra das große LIcht an. Ging ja jetzt. Und die Nachtischlampe. Ich blätterte die Seiten um, ganz normal, nicht vorsichtig. Ich schaute ein Nachrichtenvideo auf dem Handy (mit Ton!). Ich telefonierte kurz. Der Mann kam und wir redeten. Ohne Flüstern. Ohne Pssst. Aber auch ohne Babyschnarchen. Ohne winzige Faust auf großem Laken.

Licht aus. Sonst hatte ich mich jetzt immer noch mal über ihn gebeugt. An seinem Kopf geschnuppert. Himmel, ich dreh durch, der riecht doch so gut. Strich über seine Seiden-Wange. Hatte ich heute überhaupt so richtig mit ihm gekuschelt? Noch ein paar mal schlafen und er macht den Führerschein. Ich lag da und lauschte. Alles still. Herrlich still. Zu still. Schrecklich still.

Da fing er an zu weinen.

Nein, ich habe nicht mal versucht ihn in seinem Bettchen zu beruhigen. Und ich habe hundertpro breit gegrinst vor Glück, als wir nebeneinander eingeschlafen sind. Ich weiß nicht, ob er auch. Es war ja dunkel. Der Junge hat vorerst bloß Ausgang bis sagen wir mal Mitternacht, hab ich gedacht. Für alles andere ist seine Mama noch zu klein.

PS. Zwei Abende später guckte ich um Mitternacht gerade meine Lieblingsserie, als er anfing zu weinen. Nun ja, ich glaube, ich kann mich demnächst – bald – irgendwann doch dran gewöhnen, dass er auszieht. Sagen wir mal bis drei Uhr morgens.

Und ihr so? Froh oder frustriert bei Babys „Auszug“?

Alles Liebe,

 

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24 Kommentar zu “Hilfe, er ist ausgezogen

  1. Tanja P on 19. November 2015 at 11:34 geschrieben

    Oh ja das kenne ich nur zu gut…unser kleiner Finn ist heute ein Jahr und oh nein ich will nicht das er aus unserem großen Bett auszieht…oh das ist doch immer so herrlich kuschelig und oh ja das nochmal am Baby schnuppern vor dem einschlafen ??
    Ich denke er bleibt dann doch noch ein bisschen bei uns ?
    Alles liebe

    Tanja ?

    P.s. Die Hammer lila moccs sind gerade noch zum Geburtstag gekommen…danke für den tollen Geschenkertipp…

  2. Ich kann mich dran erinnern, dass wir ersteinmal das große Licht angemacht haben und mehrmals ins Bett gesprungen sind. Wie du sagst: Ging ja jetzt =)
    Aber dieses Babyschnorcheln! Oh ja, das vermisse ich auch sehr. Pluspunkt dagegen – ich wache nicht mehr bei jedem lauterem Schnorcheln auf (Mami sei wachsam!), sondern schlafe länger am Stück.
    Viele Grüße,
    Kathrin

    • Claudia on 20. November 2015 at 10:39 geschrieben

      Hach ja, Babyschnorcheln ist so schön, ich muss es unbedingt noch mal aufnehmen. Dann kann ich es abends einfach nach dem Nachrichtenvideo hören. MAch ich dann sicher eh nicht. Schon gar nicht jeden Abend. Aber gut zu wissen dass ich es könnte.
      Beste Grüße,
      Claudi

  3. Christine on 19. November 2015 at 12:11 geschrieben

    Ohja, harte Geschichte fürs weiche Mamaherz. Mein kleiner schläft seit ein paar Wochen den ersten Teil der Nacht in seinem Bettchen bei uns im Schlafzimmer. Dann meistens den Rest der Nacht im großen Bett. Zwischenzeitlich war ich etwas genervt davon nachts ständig einen gepolsterten Babypo im Gesicht zu haben weil dieses Baby einfach immer in Bewegung ist. Da hab ich ihn nachts immer wieder zurück in sein Bett gelegt. Mittlerweile kuschel ich gerne mit dem Babypo – was machen die Hormone nur mit uns????
    Naja, der Auszug ins eigene Zimmer steht jetzt auch an, aber ich denke an den Nächten wird sich dadurch nicht viel ändern. Viele erzählen mir er würde dann besser schlafen weil es dann ja ruhiger ist. Ob das so stimmt?
    Und wie macht ihr das denn: Babyfon nachts an oder hörst du ihn durch die Räume? Bei uns liegen sich die Zimmer direkt gegenüber aber ich frage mich ob ich ihn dann nicht erst höre wenn er schon ganz schlimm ganz bitterlich weint???
    Lieben Gruß,
    Christine

    • Mareike on 19. November 2015 at 12:36 geschrieben

      Unser kleiner schläft auch einen teil der nacht in seinem Zimmer, direkt gegenüber. Babyfon hatten wir die ersten Nächte, der Strahlung und Batterie wegen auf eco – bevor es angesprungen ist habe ich ihn schon gehört. Ohne eco modus springt es zwar früh genug an, allerdings hab ich immer fast nen Herzinfarkt wegen der Lautstärke bekommen. Jetzt bleiben die Türen auf und ich höre ihn früh genug. Mittlerweile weint er auch nicht mehr, sondern ruft mich (er ist 18 Monate alt).

      • Christine on 19. November 2015 at 20:56 geschrieben

        Ja, dass mit dem ecomodus ist echt nur semihilfreich. Ich denke wir versuchen es dann einfach so, Versuch macht kluch….
        Danke!

    • Claudia on 20. November 2015 at 10:37 geschrieben

      Liebe Christine,
      wir haben kein Babyfon, ich höre ihn, da bin ich mir ganz sicher. Und die Türen lasse ich immer einen Spalt auf.
      Alles Liebe!

  4. Magda on 19. November 2015 at 13:45 geschrieben

    Bei uns sieht der Auszug bisher so aus: Kind und ich auf einer großen Matratze auf dem Boden neben dem Gitterbettchen im Kinderzimmer und Mann allein im Schlafzimmer. Ich stille meinen kleinen Großen (schon über 1,5 Jahre) noch zum Einschlafen und dann schlafe ich meist neben ihm ein. Dein Blogeintrag motiviert mich dazu, dass ich den Kleinen heute spätestens nach dem Einschlafen von ihm in sein Gitterbettchen lege. Ich nehme es mir ganz fest vor. Er schreit sonst ganz doll im Bettchen. Und einen Schnuller will er auch nicht. Hat sonst noch jemand Tipps?

    • Claudia on 20. November 2015 at 10:36 geschrieben

      Oh ja, das hab ich schon so oft gehört. Ist es denn aber noch schön für dich? Dann genieß es doch einfach. Ich brauche abends Zeit für mich, Zeit zum Arbeiten, Zeit für den Blog, Zeit für andere Projekte, daher hatte und habe ich auf Dazulegen keine Lust. Aber ich kenne einige die das als Kuschelzeit sehr genießen.
      Wie es auch kommt, alles Gute!

  5. Mir ist damals auch richtig schwer gefallen. Aber der kleine Spion hatte nachher so einen leichten schlaf, dass er immer wach wurde, wenn Papa sich für die Arbeit fertig machen musste. Dann stand ich da, mit einem übermüdeten 8 Monate alten Baby. Dann sagte mein Partner „Wir versuchen es einfach, wenn es nicht klappt, dann ist es auch nicht so schlimm“.
    Der erste Versuch…und es klappte. Ich war ein paar Mal in seinem Zimmer um nach ihm zu sehen. Heute sehe ich nur noch einmal nach ihm, kurz vorm Schlafen. Er fehlte mir sehr, auch heute noch. Dabei hat er von Anfang an in einem Beistellbett geschlafen, wir waren ihm einfach zu unruhig. Vielleicht meine Sorge wegen dem plötzlichen Kindestot? Einschlafen möchte er auch heute noch am liebsten auf uns, dann legen wir ihn in sein Bett. Klappt bis jetzt (fast) immer. Mal sehen, wann er es schafft, allein einzuschlafen.

    • Claudia on 20. November 2015 at 10:34 geschrieben

      Einschlafen klappt bei meinen beiden Großen spitze – der Kleine wird noch in den Schlaf gestillt. Mal sehen, wie es dann bei ihm wird.
      Liebste Grüße ; )

  6. Kerstin on 19. November 2015 at 15:58 geschrieben

    Wie hält denn dieses süsse Buch an der Wand?..

    • Claudia on 20. November 2015 at 10:33 geschrieben

      Liebe Kerstin, auf zwei Nägeln an der Wand. Eigentlich hing da vorher ein Bild drüber. Das passt jetzt nicht mehr, also hab ich zum Ausprobieren ein Buch draufgestellt. Das darf jetzt da bleiben, weil es so hübsch aussieht und immer griffbereit zum Vorlesen da ist.

      Alles Liebe!

  7. Hach. Sooo nett geschrieben, ich fühle mit dir.
    Bei meiner Tochter war ich allerdings nur froh, als sie raus war, denn ihr Schlaf war so leicht, dass ich nicht mal zu lesen gewagt habe.
    Bei meinem Sohn fiel es mir aber eigentlich auch nicht schwer (stelle ich gerade fest, wo ich darüber nachdenke). Dafür meinem Mann. Aber dieses Gefühl: „Oh, jetzt ist es (für immer) weg“ (Bei allen möglichen Dingen) kenne ich trotzdem nur zu gut. Bei meiner Tochter war ich superkonsequent. Bei meinem Sohn gar nicht. Und irgendwie scheint das überhaupt keinen Unterschied zu machen. Einfach locker bleiben, denke ich mir jetzt immer und ich ich habe das Gefühl, das ist auch deine Devise.
    Liebe (sehr mitfühlende) Grüße Jutta

  8. Sarah on 19. November 2015 at 19:40 geschrieben

    Im Studium hatten Freunde von uns schon geheiratet und ihr erstes Kind bekommen. Es schlief im Beistellbett und wurde gestillt bis es ein Jahr alt war. Ich habe damals – jung, unbedarft, naiv und furchtbar besserwisserisch – zu meinem Mann gesagt, dass unsere zukünftigen Kinder sich gar nicht einzubilden brauchen, in dem Alter noch in unserem Zimmer zu schlafen. Spätestens mit 6 Monaten steht der Auszug an und abgestillt wird auch.
    Heute, 6 Jahre später, hat unsere Kleine sich mit etwa einem Jahr abgestillt und jetzt mit 14 Monaten schläft sie immer noch im Beistellbett. Sie schläft nicht gerne alleine und wir haben sie gerne noch da. Natürlich ist das Beistellbett ihr eigentlich zu klein, aber sie liegt dann halt quer oder halb bei mir, das passt dann ganz gut. Manchmal spiele ich mit dem Auszugsgedanken, aber irgendwie verwerfe ich ihn dann doch recht schnell wieder. Mal schauen, wann das letztendlich ansteht, aber wenn es soweit ist, werde ich bestimmt auch traurig sein…
    LG Sarah

  9. evartsalon on 20. November 2015 at 16:49 geschrieben

    wir haben gsd ein großes Schlafzimmer und mein Mann hat ein ganz tolles 2,70m breites Bett gebaut… Mein Kleinmädchen ist schon viel größer und schläft noch immer bei uns… und ganz manchmal kommt auch noch der kleine Kerl (7) in der Früh dazu…
    Ich genieße das… auch wenn kleine Zehen manchmal versuchen in meiner Nase zu bohren ;o)

  10. Miriam on 20. November 2015 at 20:09 geschrieben

    Unsere Tochter ist damals schon mit fünf Monaten ausgezogen. Unbeabsichtigt. Wir verbrachten unseren ersten Familienurlaub in einem sehr kleinen Ferienhaus an der Nordsee und das Beistellbett passte einfach nicht ins Zimmer. Sie musste gezwungener Maßen im Raum nebenan schlafen. Und sie schlief so viel besser. Von heute auf morgen durch. Super! Wir kamen ausgeschlafen aus dem Urlaub zurück und haben sie zu Hause direkt umgesiedelt. Wir haben sie anscheinend irgendwie gestört.
    Beim Zweiten, unserem Sohn ist daran nicht zu denken. Er reckt sich zwischendurch um zu gucken ob noch alle da sind oder fühlt mit seiner Hand nach meiner. Er ist ein „Kuschel“. Mal sehen wann er umzieht. Ein bisschen darf er noch bleiben :-). So verschieden sind sie, die Kinder.

    LG, Miriam

    • Claudia on 20. November 2015 at 22:12 geschrieben

      Hach, Miriam, klingt gut. Irgendwie beide Wege.
      Schon cool und wunderbar die Kinder, oder?
      Ich geh jetzt schlafen, mal sehen, mit welcher Meute heute Nacht im Bett.
      Liebste Grüße!

  11. Christina on 22. November 2015 at 21:28 geschrieben

    Ohh ich kenne das. Mein grosser schlief immer in seinem Bett. Die kleine war erst im beistellbett und dann bei uns. Ist schön kuschelig obwohl man manchmal Füße im Gesicht hat ode nachts die decke weg ist 🙂 zum Glück nicht beide sonst gäbe es Probleme, Platz technisch

  12. Meike on 3. Juli 2016 at 11:24 geschrieben

    Liebe Claudia.
    Vielen Dank! Ich habe gerade Deinen Blog entdeckt und lesen einen Beitrag nach dem anderen.
    Wie schön geschrieben und wie gut zu wissen, dass es andere Mamas gibt, denen es genau so geht. Mit all dem Chaos, Hetze, Ärger, Wünschen und Fragen. Mein Bauch grummelt bei dem Gedanken wieder arbeiten zu gehen und zwei Kinder, Wohnung, Einkauf und dreckige Fenster neben der Arbeit noch hinzubekommen.
    Meike aus München

    • Claudia on 3. Juli 2016 at 21:43 geschrieben

      Oh wie schön, das freut mich sehr. Viel Spaß und Freude und Unterstützung und Inspiration hier weiterhin.
      Ganz liebe Grüße,
      Claudi

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