Ein Wochenende mit Kindern in Amsterdam

Jun
28/17

„Komm her“, ruft die Schaffnerin und zeigt ganz eindeutig auf meinen Großen. Lasse schaut erschrocken. Ich zucke mit den Schultern. Wir sind mit unserm Bollerwagen im vorletzten Straßenbahnwagen eingestiegen, wie immer, haben ihn auf einen der Rad- und Kinderwagenplätze gestellt und die Fahrkarten abgestempelt. Mein Großer geht die paar Schritte bis zur Schaffner-Kabine – mit nervösen Falten auf der Stirn. „Ja, bitte?“, fragt er schüchtern. Sie öffnet die Glastür, zieht ihn sanft hinein in ihre winzige Kabine, grinst breit und sagt mit hinreißendem holländischem Akzent: „Du bist jetzt mein Assistent…“
Reisen mit KIndern, Amsterdam,
Oh ja, die Amsterdamer sind sowas von kinderfreundlich. Sie machen Platz für Karren und Bollerwagen auf dem Bürgersteig, grinsen im Restaurant bloß, wenn ein Kind schreit, servieren mit Freude Kinderportionen, lächeln. Sie planen Museen und Ausstellungen so, dass sie statt langweilig richtig spannend sind und sie richten überall in den Cafés und Läden Kinderspielecken ein. Die Holländer sind also auch schrecklich Mama-und-Papa-freundlich. Nur auf ihren Radfahrstraßen mitten auf den Bürgersteigen verstehen sie keinen Spaß – aber das hatten unsere Kinder nach ein paar Stunden gelernt.
Amsterdam,
Amsterdam hat genau die richtige Größe, um sie zu Fuß und mit Karre oder Bollerwagen zu entdecken, viele der Sehenswürdigkeiten liegen sehr dicht beieinander. Das Schönste ist eigentlich sowieso bloß herumwandeln und überall Schönes entdecken, weil die ganze Innenstadt eine Sehenswürdigkeit ist. Gefühlt gibt es alle paar Blocks einen Park und auch hier bekommt man das Gefühl, die Amsterdamer wären alle im Herzen selbst noch ein wenig Kind (sogar die krawattierten Stadträdte und Stadtplaner), so aufregend und schön und spaßig sind die vielen Spielplätze, Wasserstellen und Spielwiesen.
Wochenende in AmsterdamMit KIndern in Amsterdam,
Ein Highlight gerade bei gutem Wetter ist der Vondelpark, mit seinem Wasserspielplatz und den Tieren – leider ist er, wie ganz Amsterdam – im Sommer sehr überfüllt. Wir haben dieses Mal daher viel Zeit im Oosterpark verbracht, der bei unserem Hostel direkt um die Ecke lag. Auch gut: erst gegen Abend oder im Sommer sogar nach dem Abendbrot in den Park gehen: dann flattern überall in den Bäumen Ballons und Girlanden, die Amsterdamer picknicken und grillen und feiern und machen Musik und die Kinderspielplätze sind angenehm leer.

Ein paar Stunden waren wir im Beatrixpark, der noch ein wenig weiter draußen liegt, dafür aber sehr ruhig und absolut untouristisch ist. Die Kinder sind über die riesigen Wiesen getobt, haben mit Amsterdamer Kindern im kostenlosen Pierenbad geplanscht und anschließend im großen Sandkasten gebuddelt.
Amsterdam,
Ein Muss mit Kindern: eine Bootsfahrt auf den Grachten. Und für die Erwachsenen ideal zum Orientieren am Anfang des Kurzurlaubs. Besonders schön ist die in einem der kleinen Boote, weil die mehr schaukeln und in kleinere Kanäle fahren können, also gern früh morgens zu den Anlegern (z.B.am Bahnhof) gehen oder Tickets reservieren. Bei uns waren alle kleinen Boote hoffnungslos überfüllt, so blieb uns nur eine Tour im großen Boot. Vor allem mein Großer fand dabei die Erklärungen zu einzelnen Plätzen und Häusern via Kopfhörer richtig spannend.
Mit Kindern in AmsterdamAmsterdam mit Kindern
Auch wunderbar: ein Besuch im hübschen botanischen Garten Hortus Botanikus. Es gibt eine spezielle Kinderkarte mit acht Tipps zum Suchen und es hat uns viel Freude gemacht, unter anderem die die kleinste, die pieksigste und die gefräßigste Pflanze zu suchen. Zu gern hätten wir die größte Seerose der Welt gesehen, mit kleinkindgroßen Blättern, die war aber leider vor kurzem eingegangen. Luks Favorit: Der Bambustunnel. Lasses: das Schmetterlingshaus. Und der Schildkrötenteich im Tropenhaus. Tjelles: die bebuchsbaumten Wege (zum Herumflitzen – auweia). Papas: eine Brause im zauberschönen Café und duftenden Blättern und Bäumen. Und meiner: der kleine, hübsche Laden mit allerlei Mitbringseln, Malbüchern für Erwachsene und entzückenden Kinderbüchern. Heidewitzka, ich könnte Unmengen an Kinderbüchern kaufen, gern auch in Sprachen, die ich kein bisschen verstehe, einfach weil sie so schön sind.

Das einzige Manko in Amsterdam: eine preiswerte und schöne Unterkunft finden. Wir hatten ein sehr einfaches Hostel gebucht (leider zum Preis von einem wirklich großartigem). Amsterdam eben. Vor allem im Sommer. Unsere Lösung: in Sachen Ausstattung und Optik ein Auge zudrücken, so wenig Zeit wie möglich im Kurzzeitzuhause verbringen – und dafür umso mehr draußen in dieser wunderbaren Stadt. Hübsch übernachten kann man dann ja wieder woanders. Oder kennt ihr vielleicht bezahlbare und schöne Unterkünfte in Amsterdam?
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Am letzten Abend aßen wir auf langen Holzbänken Burger unterm Stadt- und Sternenhimmel, fußmüde vom Herumbummeln und kopfmüde vom Bewundern und Staunen. Wir saßen bloß da und selbst die Jungs schwiegen, schlürften ihre bunte Limo und guckten mit uns Mitmenschen-TV: auf dem Bürgersteig vor uns spazierten Menschen jeder Hautfarbe vorbei, alte und junge Menschen, grölende Jugendgruppen, plappernde Großfamilien und Männer mit Perücken in funkelnden Frauenkleidern. Und ich dachte mal wieder: was für eine wunderbare, weltoffene Stadt. Was für eine tolle Möglichkeit, Kindern buntes, herzliches und tolerantes Leben ohne lange Anfahrtszeit zu zeigen.

Mit Kindern in Amsterdam

Klar ist so ein Städtetrip nicht bloß ein Spaß. In den ersten Stunden haben wir ordentlich geschwitzt, um die Jungs in letzter Sekunde vom Radfahrweg, beziehungsweise der Radfahrautobahn zu ziehen. Gemütliches, ausgiebiges Shoppen war einfach nicht drin. Und na klar jault und meckert auch mal jemand. Oder auch mal alle drei. Trotzdem überwiegt der Spaß. Das Gefühl gemeinsam auf Abenteuersuche zu sein.

Am letzten Abend, beim Essen, als die Kinder anfingen für eine Weile zu streiten, über den größten Burger oder den buntesten Trinkhalm oder sonst was – und plötzlich die falschen Trinkhalme wütend in der Gegend herumschmissen wurden, André bloß müde die Augen verdrehte und ich laut seufzte, kam plötzlich eine ältere Dame an unseren Tisch. Eine Erscheinung, in großgeblümten Kleid und mit leuchtendem, hochaufgetürmten, goudafarbenem Haar. Die Kinder schwiegen sofort. Ich dachte, ganz klar, die will sich jetzt beschweren, also doch, kein Wunder. Aber sie lächelte, das ganze Gesicht voll mit diesen hinreißenden, typisch holländischen Lachfältchen und meinte: „Congratulations to your family. You all look so happy.“

Amsterdam mit Kindern

Amsterdam: Unsere Tipps – kurz und knapp

Schlafen: Ich habe zuerst bei Airbnb geguckt, vielleicht ein wenig zu spät und nichts bezahlbares mehr gefunden. Ist mir noch nie passiert. Also mein Tipp: unbedingt rechtzeitig buchen. Wir haben über Hostelworld gebucht – sind aber noch auf der Suche nach einer tollen Übernachtungsmöglichkeit, für unseren nächsten Amsterdamtrip.
Amsterdam,
Machen: Mit Karre oder Bollerwagen einfach durch die Stadt bummeln. Eine Grachtenfahrt buchen. Im Park erholen, planschen, spielen. Im wunderschönen botanischen Garten Hortus herumflanieren und jede Menge grüne Wunder entdecken. Im Stadtzoo Artis Tiere bewundern. Fangen spielen mit Tauben auf dem Damplatz. Oder im Sommer dort ein kostenloses Kasperletheater schauen.

Bei schlechtem Wetter: Kinder im Kinderkookcafé kochen, sich von ihnen bedienen lassen und gemeinsam essen. Wieder so eine großartige Amsterdamer Idee. Wie wärs mit bunte Bilder im wunderbaren Van Gogh Museum bewundern, Kunstwerke von diesem verrückten, wahnsinnig begabten Mann mit dem fehlenden Ohr, der Kinder meist so richtig fasziniert. (Vielleicht mit ein paar Kleinigkeiten in der Handtasche, für eine meiner Spielideen für einen spannenden Museumsbesuch). Im Nemo Wissenschaft entdecken, Lakritze selbst machen oder Seifenblasen, die so groß sind, dass man darin stehen kann.

Wie wärs mit Schiffe gucken im Scheepvaarts Museum. Oder sich im ehemaligen Tunnel tummeln. Der Tunfun sollte ursprünglich mal ein Tunnel unter dem Mr. Visserplein werden, die Bauarbeiten wurden dann aber aufgegeben und nun ist der Tunfun der größte Indoorspielplatz der Niederlande. Mit jeder Menge guter Ideen. Es gibt dort sogar einen Kinderfrisör.

Für ältere Kinder: Durchs Anne Frank Haus klettern. Und einen sehr persönlichen Zugang zu diesem unfassbaren Teil der Geschichte bekommen. (Unbedingt Karten reservieren, sonst wartet man stundenlang!).
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Essen: Wir wollten es lässig und unkompliziert und haben uns dieses Mal abends mit den Jungs durch die Amsterdamer Foodketten gefuttert, die lecker, bezahlbar und gut zu erreichen sind.
Burger, hatten wir bei Burgermeester. Superleckere Burger und keine Pommes, dafür die leckersten Beilagen der Welt (Coleslaw, Ceasers Salad, Mais) – fanden auch die Jungs.
Pfannkuchen: Die Jungs hätten morgens, mittags und abends im Pancakes essen können. Wir nicht ganz – aber oberlecker sind sie. (Leider immer sehr voll!)
Asia: Nudelsuppe für die Kinder, Nudeln mit frischem Ingwer für uns. Herrlich schlicht und ganz entspannt im Wagamama (bedeutet „Freches Kind“. Aha…).
Das allerbeste Frühstück, mit frischgespressten O-Saft, Brötchenkorb und selbstgemachter Marmelade im nettesten Laden mit der allerschönsten Kinderspielecke: De Bakkerswinkel. (Und für nachmittags und für auf die Hand Kuchen mitnehmen!)

Shoppen: Hübsch kleine Läden gibt es im Nine-Streets-Bezirk. Ich durfte in vier – für jeden meiner Männer einen. Danach war ihre Geduld aufgebraucht. Zum Glück gibt es noch ein paar schöne Shops, die gleichzeitig Kinderboutique und Café sind. Beim Kakao ist es leichter, geduldiger zu sein. Ich mochte: Blender (mit hübschen Sachen u. a. vom Amsterdamer Label Noeser!). Und: Minimarkt.

Sonst noch gut zu wissen:
– So kinderfreundlich die Amsterdamer auch sind: auf ihren Fahrradstraßen verstehen sie keinen Spaß. Also: VORSICHT!
– In der Straßenbahn mit Karre oder Kinderwagen im vorletzen Wagen einsteigen, dort gibt es zwei großzügige Stellplätze. Selbst Tageskarten müssen jedes Mal beim Aus- und Einsteigen entwertet werden (für die Statistik).
– Niederländische Kindersachen fallen eher klein aus. Mitbringsel also gern eine Nummer größer shoppen.

Habe ich gute Ideen für Amsterdam vergessen? Bitte gern ergänzen. Ich wünsche euch riesig viel Spaß für euern Trip!
Alles Liebe,

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16 Kommentar zu “Ein Wochenende mit Kindern in Amsterdam

  1. Vielen Dank für deinen vielen hilfreichen und schönen Tipps!
    Die günstige Unterkunft würde mich auch interessieren… ;-))
    Liebe Grüße
    Jutta

    • Claudia on 28. Juni 2017 at 16:37 geschrieben

      Liebe Jutta, so gern! Ich hoffe auch da kommt noch von irgendwo ein Geheimtipp rein.
      Liebste Grüße,
      Claudi

  2. Seifenblase on 28. Juni 2017 at 16:02 geschrieben

    oh könnt ihr bitte noch viel mehr städte und länder bereisen, für noch mehr wunderbare (und hilfreiche) reiseberichte wie diesen?! 🙂

  3. Marina Barriere on 28. Juni 2017 at 21:24 geschrieben

    Wir fanden es hier unschlagbar toll!!!

    The Little House in the Garden (über Air bnb)
    Buiksloterweg 9
    Amsterdam Noord Holland

    So ein süßes Häuschen, 5 min Fußweg zur Fähre, Hühner und Naturpool im Garten!!

    Tom fand es letztes Jahr toll und wir werden wieder gehen!

  4. Claudia on 28. Juni 2017 at 22:01 geschrieben

    Ich freue mich, dass es mein Foto doch noch geschafft hat.:-) Wir haben uns in Amsterdam getroffen, du hast mich um ein Foto gebeten und ich habe mich als Leserin geoutet. Liebe Grüße aus Dresden! Claudia

    • Claudia on 28. Juni 2017 at 22:24 geschrieben

      Na klaro. Ich hab mich so über dich gefreut. Und dann heißt du auch noch Claudia – das gibts doch nicht ; )
      Ganz liebe Grüße,
      Claudi

  5. Elke Kübler on 28. Juni 2017 at 22:17 geschrieben

    Hallo Claudia,
    Auch wir waren gerade mit unserer Rasselbande 3 Tage in Amsterdam. Wir haben etwas außerhalb in Abcoude, einem zauberhaften kleinen Städtchen, gewohnt. Wir sind dann immer mit dem Zug bis Amsterdam Cetraal gefahren. Ging gut und das Hotel war bezahlbar für 5 Personen.
    Unsere Tipps: unbedingt den leckesten Apfelkuchen mit ganz viel Sahne im Café Winkel im Stadtteil Jordan essen. Und dort sich am Samstag morgen über den Markt treiben lassen.
    Die kostenlose Fähre zum A’dam lookout nehmen und dort zur Aussichtsplattform hochfahren. Grandioser Blick auf Amsterdam und spektakuläre Schaukel
    Das Pfannkuchenhaus in der Prinsengracht 191 (pancake bakery)
    Den Laden Sissy boy wunderbare Kleidung für Kinder & Erwachsene und tolle Deko.
    So, dass waren unsere Tipps für Amsterdam
    Liebe Grüße
    Elke

  6. Claudia on 28. Juni 2017 at 22:59 geschrieben

    Während wir unser kinderfreies Wochenende in Amsterdam genossen, warst du mit der ganzen Meute natürlich ein Hingucker! Neben dem Namen noch eine Gemeinsamkeit: Genau wie du hab ich 3 Jungs – mit dem Unterschied, dass es bei uns dabei bleiben wird. 😉 Meinen Mann kann ich zu einem vierten nicht überzeugen, dann wäre es vielleicht auch schwieriger mit den kinderfreien Wochenenden. 😉
    Liebe Grüße und alles Gute für euch! Claudia

  7. Ach, Amsterdam! Ich muss auch endlich mal meinen Travelpost zu dieser wunderbaren Stadt fertig stellen… Wir hatten im The Student Hotel übernachtet, gibt’s zweimal in Amsterdam, ist nicht zu dolle teuer, dabei aber sehr stylish. Zugegeben, nicht ausgewiesen für Familien geeignet, aber so locker wie die Amsterdamer sind, fühlt man sich dort bestimmt auch mit Kindern wohl. (Ich sag nur: Fotoautomat in der Lobby!) Liebe Grüße, Constanze

    • Claudia on 29. Juni 2017 at 10:20 geschrieben

      Oh, das klingt toll. Haben die denn auch größere Zimmer? (Noch wollen die Jungs bei uns mit schlafen ; )
      Ich schaue gleich mal.
      Liebe Grüße,
      Claudi

  8. Katharina Andress on 12. Juli 2017 at 07:02 geschrieben

    Moin moin…habe gestern Abend deine Tips für Amsterdam entdeckt und meinem Mann vorgelesen…Danke dafür 🙂 Wir sind in 2 Wochen mit 2 Kleinkindern und 2 Teenagern in Amsterdam 🙂 Sind sehr gespannt auf die Stadt!

    LG Katharina

    P.S. Euer kleiner Bo ist Zauberhaft

  9. Juliane on 13. Juli 2017 at 21:20 geschrieben

    Unbedingt auf zur neuen Stadtbibliothek gegenüber vom Nemo gehen. Ganz oben gibt es ein nette Mensa und umsonst eine großartige Aussicht auf die Stadt. Der bezauberndste Laden für Kinder und Mama: Unicorn Boutique. In der gleichen Straße kann man auch toll bummeln und Essen gehen – japanisch, Pizza oder Eis. Für alle was dabei!

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