Ein paar Worte über erste Worte

Nov
02/16

Ich kann mich noch ganz genau daran erinnern, als mein großer Sohn zum ersten Mal etwas sagte. Ich stand im Bad, ich glaube, ich machte gerade etwas absolut nichtsagendes, Badewanne putzen oder so. Mein kleiner Sohn tappste hin und her und um mich herum, brabbelte, trug ein Spielzeug nach rechts und links und wieder zurück und plötzlich sagte er, ganz klar und deutlich, „Mama“….
Wann sprechen Kinder, Kindersprüche,
In meinem Bauch kribbelte es wie Brausepulver und Badewanneputzen fühlte sich plötzlich an wie die schönste Beschäftigung der Welt. Weil er dabei war. Und weil er dieses wunderbare Wort gesagt hatte. „Mama“. Sein allererstes Wort. Und dann das. Oh ja, ich war ein wenig stolz, dass es Mama war. Und überhaupt, wie zuckersüß seine Stimme klang, wenn er sprach.

Wir liefen beide über den langen Altbauflur in Richtung Wohnzimmer, wo André fürs Examen lernte. Mein Sohn voran, mit tapsigen Schritten auf ein wenig zu durchgedrückten Beinen, ,wie ein angeheiterter Seemann und ich hinterher, bauchkribbelig und noch immer mit rosa Gummihandschuhen an den Händen. Mein Mann lag mitten auf dem Dielenboden, vor mehreren Haufen Merkblättern, und las. Unser Sohn rannte auf ihn zu, schmiegte seinen Kopf gegen ihn und sagte: „Papa!“

Im Nachhinein denke ich, wie typisch für meinen Großen: seine beiden ersten Wörter, die Bezeichnungen für die beiden Menschen, die ihn am allerliebsten haben. Und beide Namen keine drei Minuten voneinander entfernt – damit bloß keiner traurig werden konnte. So ist er auch heute noch: absolut fair. Und sehr bedacht, niemandem weh zu tun.

Heute denke ich außerdem, wie bezeichnend, dass er diese Wörter zuerst konnte, schwirrten wir doch in seiner ersten Lebenszeit mit beinahe hunderprozentiger Aufmerksamkeit pausenlos um ihn herum. Eins seiner nächsten Wörter übrigens: Effe. Das bedeutete, wieso auch immer, Staubsauger und zeigt auch, dass ich damals noch regemäßig dazu kam, eben diesen zu benutzen.

Mein zweiter Sohn fauchte lange Zeit nur, ein Geräusch das ungefähr klang wie „Pffff“. Dieses benutzte er für scheinbar alles, was er sah. Erst viel später sagte er „Auto“. Und „Beia“ für „Tschüß“. Und „Urt“ für Joghurt. (Unsere ganze Familie hat eine Weile „Urt“ gesagt. Und ich wünschte, es würde niemals enden). Ich würde wirklich gern wissen, ob mein mittlerer Sohn so lange bloß fauchte, weil ich viel weniger Exklusivzeit mit ihm verbrachte, weil ich in diesem ersten Jahr mit zwei kleinen Kindern so gestresst war, wie nie wieder in meinem Leben.

Mein dritter Sohn sprach lange gar nicht. Erst jetzt, ganz langsam, fängt er damit an. Er sagt „Mama“ und „Papa“, aber seltsamerweise es ist bei ihm nicht personen- sondern tätigkeitsgebunden. Sprich: er ruft „Mama“ wenn er kuscheln will. Oder etwas zu essen. Oder sich weh getan hat. Wenn er beigeistert mit einem Ball angerannt kommt oder unglaublich gern durch die Luft geschleudert werden möchte, dann ruft er „Papa“. Sogar beim wilden Toben auf dem Bett – auch wenn ich ausnahmsweise mal die Tobe-Kompanin bin.

Das wahrhaftig allererste Wort meines Dritten ist aber: „Auch!“. Und das ist scheinbar alles, was man in den ersten zwei Lebensjahren mit zwei großen Brüdern braucht.

Erinnert ihr euch noch an die ersten Wörter eurer Kinder? Und wie hießen sie? Ich würde wahnsinnig gern eure Geschichten hören.

Ganz liebe Grüße,

7 Kommentar zu “Ein paar Worte über erste Worte

  1. Liebe Claudi, was für schöne Worte, die ich so sehr verstehen kann, jetzt gerade. Pauli ist ja unser erstes Kind und seit September spricht sie immer und immer mehr Worte nach und bildet seit einigen Wochen erste Zweiwort-Sätze. Der erste Zwei-Wort-Satz kam nach der Kita und wird mir ewig in Erinnerung bleiben, wie dir das erste „Mama“. Bei mir war es so, dass ich Pauli abgeholt hab, wir mussten schnell weg, also spurtete ich ans Auto, schnallte sie im Sitz an und guckte sie nochmal kurz an, um nochmal kurz lautlos „Hallo“ zu sagen. Sie schien das irgendwie zu verstehen, streckte ihr kleinen Arme aus und rief „Hallo Mama!“. Das war so ein Moment, in dem die Zeit still steht, dir völlig egal ist, dass du schnell weiter musst, du bist einfach nur glücklich, unfassbar glücklich. Ich umarmte sie und hatte das Gefühl, dass ich sie 5 Minuten fest gehalten habe, so stolz war ich. 🙂

  2. Cornelia on 2. November 2016 at 20:45 geschrieben

    Um ehrlich zu sein weiß ich nicht mehr welches Wort und wann genau das erste unserer Tochter war. Aber ich erinnere mich noch sehr genau, das meist genutzte war: „Amei!“ Das hieß „nochmal“ und wurde universell beim Essen, Vorlesen, Hoppereiter, rennen, kuscheln etc. angewandt und ist für uns heute noch DER Ausdruck für ihre große Freude an allem. Naja, meistens – aufräumen und Zähneputzen mal beiseite gelassen… 😉

  3. Liebe Claudi, bei meinem Kleinen war das erste Wort Ja. Und ich finde das ist ein sehr schönes erstes Wort. Gerade weil Kinder so oft das Nein hören, Nein zur Steckdose, Nein zum auf die Straße rennen, Nein zum Essen runter werfen usw. Gerade deswegen finde ich es schön, dass sein erstes Wort dennoch das Ja wurde und dieses von ihm auch bis zum Exzess benutzt wurde.
    Sei lieb gegrüßt, Sabrina

  4. Ellen on 3. November 2016 at 22:27 geschrieben

    Hach Claudi, wieder mal toll geschrieben! Und es zeigt wieder, dass Kinder so unterschiedlich sein können, was auch absolut gut und richtig ist! Meine Tochter (21 Monate) hat ganz klassisch mit Mama und Papa begonnen, aber so ganz klar lässt sich der Moment nicht fassen, da ein mamamamama schon länger im Sprachgebrauch war. Und dann kam recht schnell das Wort Miiil (Müll) dazu, warum auch immer, aber sie fand und findet es großartig Dinge dahin zu befördern (und sie findet dann auch wieder die Duplosteine im Altpapier die ich tagelang gesucht hab, hätte ich sie nur mal gefragt) und dann kam recht schnell ganz viel mehr dazu. Und sie hat ein Geheimwort. Wir kommen einfach nicht dahinter: Tille. Wir haben ein Tille-Auto ihrer Meinung nach, das wird konsequent so genannt und manchmal sind auch andere Dinge Tille. Aber da ist kein erkennbares Schema, es muss irgendeine Verknüpfung positiver Art in ihrem Kopf sein und ich finde es toll, dass sie ihre Welt in ihren Worten erklärt und uns schon richtig Geschichten erzählt. Wenn man genau hinhört und hinsieht, kann man verstehen, was sie erzählt (vom Schmetterling in der Kita, vom Reifenwechseln in der Werkstatt, vom Handwerker auf der Baustelle,…). Es ist einfach so toll, was kleine Kinder alles verstehen und erzählen können.

  5. Maria on 5. November 2016 at 08:07 geschrieben

    Hallo Claudia,
    bei unserer Großen ging das mit dem Sprechen sehr schnell. Mit ca. 11 / 12 Monaten fing sie mit „Mama“ und „Papa“ an und dann folgten rasch viele neue Worte. Auch heute noch redet sie gern und viel und hat inzwischen einen für ihr Alter (7) für uns oft unglaublichen Schatz an Worten gesammelt. Der kleine Mann (5) hier hat sehr spät begonnen zu sprechen. Begonnen hat er mit „Auto“ und dann „Mama“ und „Papa“ .Wir fragen uns oft, ob es auch daran lag, dass er bei der Großen kaum zu Wort kam. Inzwischen spricht es ganz viel, tut sich aber nach wie vor noch schwerer. Verstanden hat er aber immer sehr vieles sehr früh. Echt beeindruckend wie unterschiedlich es sein kann.

    Liebe Grüße
    Maria

    • Claudia on 5. November 2016 at 13:39 geschrieben

      Ja oder? Und mit sieben oder acht sprechen sie alle gleich gut. Und mit 13 dann vielleicht gar nicht mehr ; )
      Mal sehen.

      Danke für deinen interessanten Kommentar und schönes Wochenende,
      alles Liebe,
      Claudi

  6. Liebe Claudi, wunderschöne Worte für diese spannende Zeit … Ich bin Sprachtherapeutin und habe meine Ausbildung gemacht, als unsere Älteste zu Sprechen begann. Alles war wie im Lehrbuch und ich sooo stolz! Mit 11/2 konnte man sich mit ihr schon richtig unterhalten.., daran musste ich, also meine zweite Tochter 11/2 war oft denken- denn die konnte zu dem Zeitpunkt laufen, hüpfen, rennen, klettern- aber gesprochen, nö. Und dann kam plötzlich der Satz „ich will auch Erdbeeren „, ich fiel fasst vom Sofa und von da an alles gut. So war und ist sie schon immer- sie entscheidet, wann sie was können will und dann klappt das auch. Ja und dann kam Theo, unser dritter…. Und als er an seinem zweiten Geburtstag noch immer nichts sagte außer „buff“( ein allgemeiner Begriff für alles was fällt und rumst und Krach macht), da saß ich mit meinen Sprachentwicklungsnormtabellen im Kopf vor meiner Chefin und wollte ihn schon fasst zur Late talker Therapie anmelden. Obwohl ich allen Patienteneltern immer Geduld gepredigt habe und überzeugt bin, das in einem intakten Setting alles gut geht- jeder halt in seinem Tempo. Und jetzt, mit 2;9 redet er wie ein Wasserfall und es gibt Momente, da sitzen wir am Tisch und drei Kinder reden so viel, dass wir gar nicht mehr zu Wort kommen, da schauen mein Mann und ich uns an mit dem Blick der sagt „manchmal war die Stille auch ganz schön „😉. Aber Kindersprache in all ihren Facetten, sie ist so wunderbar!

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