Dienstags Diskussion: Wie wärs mal mit ein wenig Attachment Mothering?

Jan
30/18

Am Wochenende hatte einer meiner Söhne ein Fußballspiel. Ich stand am Rand, seit längerer Zeit mal wieder. Ich sag es jetzt einfach mal: ich fror, ich langweilte mich. Kurz: Ich wünschte mich überall hin, bloß weg. Ich liebe meinen Sohn. Aber ich liebe leider kein Fußball. Später kauften wir ein, eine schöne Wintersuppe wollte ich machen zum Aufwärmen. Die Kinder waren für Puffer. Nach den Buh-Rufen am Fußballfeldrand hatte ich keine Lust auf Buh-Rufe am Tisch. Und willigte ein. Am Sonntag schlug ich vor, raus in den Wald zu gehen um frische Luft zu schnappen, aber keiner hatte Lust… Da platzte ich.
Auch mal an mich denken, Attachment Mothering
„Ich bin doch auch noch da“, schimpfte ich. „Zähle ich hier etwa nicht?“ Drei Jungs, ein Mann und ein Baby schauten mich erschrocken an. „Klar zählst du, Mama! Du musst uns doch einfach sagen, was du willst.“ Ich zog die Stirn kraus. „Mach ich doch!“ Zwei meiner Söhne schüttelten energisch den Kopf. „Aber doch nicht richtig.“ Da fing ich an nachzudenken. Über so viel.

Ich dachte darüber nach, dass sich diese ganze Attachment Parenting-Geschichte, die heutzutage beinahe überall die Erziehung bestimmt, sich für mich manchmal anfühlt wie ein Fessel um Arme und Beine. Gefühlt kann ich mich erziehungstechnisch nicht mehr wirklich frei bewegen. Handele manchmal nicht so wie ich es intuitiv machen würde. Ich denke bei allem was ich tue an die Beziehung zu meinem Kind und erinnere mich permanent selbst daran, dass Bindung das Allerwichtigste ist. Auch für mich ist sie wichtig, keine Frage. Es gibt nichts was ich mir außer Gesundheit mehr wünsche, als eine gute Beziehung zu meinem Kind. Doch manchmal frage ich mich, ob ich mich dabei nicht öfter mal selbst vergesse.

Vieles Aspekte von Attachment Parenting habe ich schon bei meinem ersten Kind gemacht, gerade im ersten Jahr, obwohl ich das Wort noch nicht kannte: ich trug ihn den ganzen Tag herum, einfach weil sich das für mich gut und natürlich anfühlte. Ich tröstete ihn sofort, wenn er weinte. Ich ließ ihn bei mir im Bett schlafen, weil das für uns beide schön war. Und praktisch. Ich stillte ihn über ein Jahr. Ich machte es aus meinem Gefühl heraus, nicht nach einer Erziehungmethode. Heute mache ich es genauso. Allerdings liegt jetzt mein viertes Baby neben mir. Ich trage ihn, sich stille ihn, er schläft neben mir – aber er muss leider auch mal warten (und kurz weinen), weil die anderen nicht immer warten können (müssen sie sowieso schon so oft). Manchmal frage ich mich, ob aus ihm überhaupt etwas werden kann, ob ich sein Urvertrauen zerstöre, unsere Bindung kaputt mache. Dann kneif ich mich selbst und denke: „Bleib auf dem Teppich.“ Mein Sohn liegt schließlich nicht allein draußen in der sibirischen Tundra, sondern auf einer Decke neben dem Waschbecken, an dem ich seinem Bruder gerade die Zähne putze. Immer öfter schaffe ich es sogar ohne schlechtes Gewissen, mir noch einen Tee zu kochen, auch wenn das Baby schon motzt, damit die Stillpause auch für mich gemütlich ist. Nenn ich das jetzt mal Attachment Mothering?

Vergangenen Woche war hier einen Tag lang der Wurm drin: Nur Streit, nur Gebrüll, nur Gemecker. Ich war mit den Nerven am Ende und freute mich seit Mittag auf eine Stunde nur mit mir, meiner Lieblingsserie (und schlafendem Baby im Bett). Dann war Abend und einer war bockig und wollte nicht schlafen. Ich tröstete, streichelte, saß an seinem Bett – aber er wollte in mein Bett. Er stampfte, er boxte. Ich dachte an so viel, an seine kleine Seele, an unsere Bindung. Aber ich wollte nicht. Ich wollte diesen kleinen Kerl in diesem Moment nicht in meinem Bett haben, so sehr ich ihn auch liebte. Mein ganzer Körper sträubte sich. Meine Arme konnten ihn nicht heben. Ich brauchte nach diesem verrückten Tag eine Stunde für mich. Ich erklärte ihm das – so gut es bei all der Brüllerei ging und versprach, immer wieder mal nach ihm zu sehen. Er motzte noch eine ganze Weile weiter und natürlich genoss ich meine Folge nicht und hatte feuchte Augen und Kopfweh vom Nachdenken und Gebrüll und dem Tag. Ich schaute ab und zu nach ihm – und setzte mich später noch einmal an sein Bett. Er war beinahe eingeschlafen und schniefte nur noch ab und zu. Ich streichelte sein kleines Gesicht. Entschuldigte mich. Und fragte mich, ob unsere Bindung jetzt zwangsweise für immer einen Knacks hat.

So ist das wohl, wenn man Kinder hat. Ein ewiges Abwegen zwischen den Bedürfnissen der Kinder und den eigenen. Die Bedürfnisse der Kinder sind wichtig. Meine auch. Bei all den #unserAlltagistihreKindheit Gedanken, finde ich es wichtig, dass wir Mütter uns nicht vergessen. Je größer die Kinder sind, desto mehr können wir ihnen das auch klar machen. Je größer die Kinder sind, desto schwerer fällt mir auch bindungsorientierte Erziehung. Denn die bedeutet für mich nicht, dass mein Kind alles bestimmt und dass ich mich komplett dabei vergesse. (Sonst würde ich hier den lieben langen Tag mit Kapla spielen, das Haus würde gänzlich vermüllen und wir Nutella aus dem Glas löffeln). Ich möchte, dass sie am Tisch sitzen bleiben, ich möchte, dass sie sich entschuldigen, ich möchte, dass sie ab einem gewissen Alter in ihrem Bett einschlafen – Ausnahmen immer ausgenommen. Es bedeutet für mich nicht, dass ich eins werde mit meinem Kind. Himmel, nein. Als Lehrerin rufen bei mir öfter Mütter an und fragen: „Wann schreiben wir nochmal die Deutscharbeit?“

Überhaupt: In der Schule fällt mir auf, dass immer mehr Kinder im Unterricht Aufgaben ablehnen und sich weigern, sie zu erledigen, weil sie ihnen keinen Spaß brächten. Bei allen positiven Aspekten unserer bindungs-, spaß- und glücksorientierten Lebensweise müssen wir meiner Meinung nach aufpassen, dass wir Kindern beibringen, dass nicht immer alles Spaß machen kann. Dass es nicht immer nur nach ihrem Willen geht. Dass einige Dinge einfach gemacht werden müssen. Ohne Diskussion. Mir ist das wichtig. Ich hinterfrage meinen Umgang mit meinen Kindern regelmäßig, insbesondere auch den mit meinem Schulkind. Man rutscht so leicht hinein, in diese Denke, weil die Kinder und ihr Wohl so sehr im Mittelpunkt stehen. Weil wir alle doch nur ihr Bestes wollen. Was gut ist. Bloß sollten wir uns und unseren guten Menschenverstand dabei nicht vergessen. Und auch unserem Kind die Chance lassen, selbst handeln zu können und eigene Erfahrungen zu machen. Auch die, dass Mama nicht immer meiner Meinung ist.

Noch mehr entspannte Gedanken zum Lesen, die mir während solcher Ich-Phasen und Erziehungszweifel gut tun, finden sich zum Beispiel hier. Mein Lieblingszitat: „AP, also Bindungsorientierte Erziehung, ist keine Frage von ganz oder gar nicht. Es ist auch okay, ein bisschen AP (bindungsorientiert) zu sein… Es geht um die Bedürfnisse aller Familienmitglieder.“ Ich rate auch jeder Neu-Mama dringend, einen Artikel wie diesen zu lesen, sonst wird man ja verrückt, vor lauter AP-Erziehungsfesseln, die überall in Elternkursen und Soziale Medien angelegt werden. Meine Idee von Attachment Mothering bedeutet für mich auch, sich in Sachen Erziehung mal wieder öfter auf seinen gesunden Menschenverstand zu verlassen.

Am Sonntag ist übrigens wieder ein Fußballspiel. Dieses Mal werde ich in der Zeit in den Wald gehen – mein Sohn findet das völlig okay. (Und freut sich, dass ich ihm und seinem Team die Daumen drücke. Und dann eben nächstes Mal wieder dabei bin).

Denkt ihr regelmäßig auch mal an euch? Und wirbeln euch eure Erziehungsideale dabei auch öfter mal um den Kopf? Oder fallt ihr jetzt über mich her?
Alles Liebe,

45 Kommentar zu “Dienstags Diskussion: Wie wärs mal mit ein wenig Attachment Mothering?

  1. Johanna on 30. Januar 2018 at 11:28 geschrieben

    Deine Gedanken spiegeln exakt die meinen wieder. Es tut wirklich gut so etwas zu lesen. Danke dafür. Deine Artikel, Gedanken und Anekdoten geben mir im Alltag so viel. Immer wieder genau passend zu Situationen, die bei uns gerade aktuell sind, so wie jetzt gerade. Wir sind nun zu fünft und über Tag bin ich alleine mit drei Kindern und es ist mir einfach nicht möglich jederzeit auf jede einzelnen Bedürfnisse der einzelnen Kinder einzugehen. Und Ja, ich bin ja auch noch da und meine Bedürfnisse auch. Und ich finde es gehört doch auch dazu, dass die Kinder lernen, dass es eben nicht nur ihre Bedürfnisse gibt. Und auch, dass es eben Dinge gibt die einfach gemacht werden müssen, ob es Spaß macht oder nicht. Ich überlege mir meine Nein s mittlerweile sehr genau aber es gibt sie einfach oder? Mein schlechtes Gewissen, daran muss ich noch arbeiten, ganz oft denke ich nämlich: eigentlich solltest du jetzt..aber zählt das denn, wenn man sich eigentlich mit jeder Phase seines Körpers dagegen sträubt? Ist es nicht besser/ ehrlicher einfach zu sagen Ich möchte das jetzt nicht? Lehren wir das nicht genau das eigentlich unseren Kindern? Ich denke es ist ein Balanceakt zwischen ihren und unseren Bedürfnissen und ich finde du hast das prima gelöst. Nochmal: toller Artikel. Danke

  2. DANKE!
    Ich hab auch nach 11,5 Jahren mit Kindern immer noch nicht verstanden was AP wirklich ist und vor allem wie es in so vielen Situationen klappen soll – wenn geprügelt wird, wenn man morgens nicht aufstehen will, wenn man mit Schimpfwörtern um sich schmeißt… Sollte das hier jemand Fachkundiges lesen – ich bin dankbar für Aufklärung!
    Und dich liebe Claudia – dich drück ich (virtuell)
    Annika

  3. Sonia on 30. Januar 2018 at 11:33 geschrieben

    Hi ich lese seid einer weile bei dir auf dem blog. Bin auch mutter von vier jungs. Danke es ist so schön geschrieben diese gedanken habe ich auch so oft. Mein älterster 6 kann es gottseidank „noch“ verstehen das mir unsere familienzeit am wochenende wichtiger ist als fussball schauen. Ich habe gestern noch eine freundin gefragt “ wer denkt an mich?“ Als kind in einer grossfamilie müssen die kinder eben warten.Unsere zwillinge 1 haben so ein anderes leben und aufmerksamkeitslevel als der erste aber ich glaube es schadet denen nicht. Ich habe den Eindruck meine kinder sind sehr selbstständig. Ich fahre ja keine Turntaschen hinterher mit 3 kleinkindern zuhause. 😉

  4. Uta Vogt on 30. Januar 2018 at 11:34 geschrieben

    Ich bin da absolut und vollkommen Deiner Meinung! Vielleicht liegt es daran, daß es mit vier Kindern sowieso nicht möglich ist, jedes einzelne nach den strengen AP-Richtlinien (nicht 😆) zu erziehen? Ich erziehe aus dem Bauch heraus und denke auch ganz oft mal an mich: weil ich weiß, daß ohne mich hier gar nichts mehr geht. Und weil ich mir gar nicht vorstellen möchte, wie sich diese absolut heiligen AP-Kinder später in der Gesellschaft fühlen – und ja, ich möchte, daß meine Kinder später (wenn sie es wollen) Teil dieser Gesellschaft sind und sie positiv mitgestalten.
    Liebe Grüße von Uta @utas_glueck

  5. Mareike on 30. Januar 2018 at 11:34 geschrieben

    Ein wunderbarer, lebensehrlicher Artikel! Vielen Dank, liebe Claudia.

  6. Marie on 30. Januar 2018 at 11:57 geschrieben

    Du sprichst mir aus der Seele!!! Absolut sehe und fühle ich das genau so und i h bin noch ganz am Anfang mit meinen Zwillingsmäusen dir ich mir mehr als alles gewünscht hab. Und ich mache vieles auch instinktiv Bindungsorientiert aber am Ende eines Tages mit den beiden alleine zu Hause und nur füttern, tragen, bespaßen, benennen, belacheb, bespielen, bekuscheln und gemeinsamen Schläfchen im Familienbett brauche ich dringend auch mal Zeit alleine.
    Deinen Text habe ich übrigens gelesen nach dem ich mir vor dem stillen mit schon schimpfenden Kind und genervtem Ehemann noch einen Kaffee gemacht hab und beschlossen hatte deswegen kein schlechtes Gewissen zu haben.
    Liebe Grüße und danke für diesen anregenden und ehrlichen Artikel!
    Marie
    (Im übrigen glaube Ich, wenn wir mamis da nicht ehrlich mit unseren Bedürfnissen umgehen und die Kinder auch daran teilhaben lassen gibt es zum einen bald das Mütter Burn Out und zum anderen zwar sehr sicher gebundene dafür aber eben so egozentrische Horden Kinder)

  7. hanna on 30. Januar 2018 at 12:08 geschrieben

    ich gehe absolut mit dir einig und erlebe ähnliche frust-tage und auch solche kompromisssituationen.
    grundsätzlich denke ich dass genau die authentizität wichtig für die kinder zum miterleben ist. es lässt sie erfahren, dass auch eltern keine bedürfnisslosen roboter sind und vor allem dass es im leben ständig auch um abgrenzen und kompromisse finden geht und das ist eine fähigkeit die geübt werden muss.
    ich selber bin nicht besonders gut meine bedürfnisse zu formulieren und die erfüllung so deutlich einzufordern wie ich sollte, oft hab ich dann dieses frustrierte kompromiss-gefühl, dass man in dich trägt, wenn man nicht mal geäussert hat, dass man etwas anderes möchte. das stille in-sich-rein-grummeln ist meist viel schlimmer, als wenn eine diskussion stattgefunden hat und es tatsächlich einen kompromiss oder eine alternativlösung gibt.
    ich finde du meisterst das super!

  8. Susie on 30. Januar 2018 at 12:21 geschrieben

    Liebe Claudi,

    ich muss mich an dieser Stelle outen, ich habe ehrlicherweise noch nie von all diesen Erziehungsmethoden gehört. Ich habe bei keinem meiner Kinder auch nur einen Erziehungsratgeber gelesen. Einerseits weil ich mich nicht verunsichern lassen wollte und andererseits weil ich mich bis dato eigentlich immer auf mein Bauchgefühl verlassen konnte (was meine Hebamme übrigens toll fand).
    Ich hab dabei aber auch nicht das Gefühl das meine Kinder weniger glücklich sind oder eine andere Bindung zu mir haben.
    Was ist denn mit unseren eigenen Eltern? Haben wir die etwa nicht lieb, nur weil die uns nicht nach diesen Grundmustern erzogen haben? Ich für meinen Teil liebe meine Eltern über alles.
    Ich glaube es ist egal wieviel Kinder man hat, Frau sollte sich selbst niemals dabei vergessen, das tun wir Mütter manchmal nämlich viel zu schnell.
    Und solange wir morgens noch in den Spiegel schauen können und unsere Kinder spüren wie sehr wir sie lieben, ist es doch völlich egal das wir auch mal an uns denken. Unsere Kinder tun das doch auch ziemlich oft und wir lieben sie trotzdem, oder 😉

  9. Katharina on 30. Januar 2018 at 12:43 geschrieben

    Dieser Artikel kommt genau zum perfekten Zeitpunkt und spricht mich sehr an, obwohl ich nur eine kleine (24h-) Tocher habe (3,5 Jahre). Gerade weil mir das Bedürfnisorientierte zur Zeit schwerer fällt frage ich mich 25x mal am Tag, ob nun wohl unsere Bindung geschädigt wird. Oder ob es sie schädigt, wenn sie 2x die Woche einen Vormittag bei Oma verbringen muss, weil ich ab März in dieser Zeit wieder arbeite, obwohl sie das nicht will. Ich bin schon ganz mürbe im Kopf und fühle mich nicht gerade selbstbestimmt. Vielmehr dauerbewertet durch mein Kind, welches mein „Endergebnis“ aber für sich behält bis es „zu spät“ ist. Ich komme aus dieser Gedankenspirale selbst kaum raus und danke dir für diesen Austausch. Das tut gut.

    Viele liebe Grüße
    Katharina

  10. Lisa on 30. Januar 2018 at 12:44 geschrieben

    Danke für deinen tollen Artikel! Als Lehrerin und Mama kann ich dir nur voll und ganz zustimmen!

    • Katharina on 30. Januar 2018 at 13:32 geschrieben

      Danke!!! Für diesen tollen Artikel…
      Deine Gedanken kommen mir so bekannt vor!

      Meine Kinder sind 4, 2 & 8 Wochen – und dieses ganze AP-Erziehungsding setzt mich oft ziemlich unter Druck!! wer muss wann warten? Wessen Bedürfnis ist gerade das wichtigste? Bin ich eine schlechte Mutter, weil wir uns für diesen geringen Altersabstand entschieden haben – und wir nun nicht immer für jeden immer zu 100% sofort da sein können?

      Ich denke, diesen Druck können wir uns nur selbst nehmen.. ich finde es gut, wenn meine Kinder auch lernen, dass wir in unsere Familie auf einander Rücksicht nehmen, dass jeder gleich wichtig ist & wir zusammenhalten – und dass dies nun mal hin und wieder heißt, geduldig zu sein, selbst nicht immer an erster Stelle zu stehen, und auch mal zurück zu stecken.
      Ganz liebe Grüße =)

  11. Jule on 30. Januar 2018 at 13:33 geschrieben

    Finde es auch nicht schön, wenn es später heisst: „Mutti hat sich nur aufgeopfert für uns.“ LG

  12. Wirklich super geschrieben und stimme dir voll und ganz zu

  13. Danke für diesen Text!!! Das Ganze muss viel öfter ausgesprochen werden. Mir geht es ganz genauso und ich habe genug davon, mir ein schlechtes Gewissen zu machen oder machen zu lassen. Ich bin fest davon überzeugt, dass das Bauchgefühl einer Mutter eine ziemlich gute Erziehungsmethode ist und ich verlasse mich auch darauf.
    Neulich habe ich mich dabei erwischt, wie ich harsch war, weil die Kinder beim Essen ständig aufstanden und vor lauter Rumgehampel ewig etwas herunter fiel. „Aber sie sind doch noch so klein!“ „Nein, es ist o.k., wenn auch ich am Tisch sitzen und nicht alle zwei Minuten ein umgefallenes Wasserglas aufwischen möchte.“ 🙂
    Ich finde Deine Einstellung sehr gesund und danke Dir, dass du sie mit uns geteilt hast.
    Liebe Grüße,
    Sophia

  14. Danke liebe Claudia, ich muss gestehen ich habe lange auf einen Artikel von dir zum Thema gewartet und es beruhigt mich sehr, wenn ich lese wie du das ganze siehst. Und ich glaube, dass die Sache aus dem Bauch heraus doch oft die Beste ist!

  15. Julia Preus on 30. Januar 2018 at 14:02 geschrieben

    Hallo! Ich kann mich den Vorschreibern nur anschließen. Die Gedanken kreisen bei vielen Mamas doch immer um das gleiche Thema und man merkt, dass wir alle in einem Boot sitzen. Und es tut gut zu erfahren, dass eben doch nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen ist, wie es manche Fsmilien vorgaukeln. Danke für deine Ehrlichkeit und Offenheit!!!
    LG Julia

  16. Ich glaube, das gibt es einfach nicht, das man eine Richtung immer und überall verfolgen kann. Ich habe hier acht Kinder und ich könnte gar nicht jedem Kind die Möglichkeit geben, immer seine Bedürfnisse zu hören und zu befriedigen. Aber ich glaube auch, das ich das gar nicht muss. Ich glaube wie du, das es die Mischung macht. Und ich glaube auch, das im Vordergrund immer die Ehrlichkeit stehen muss.

    Wenn es mir nicht gut geht und ich Ruhe brauche, es aber nicht kommuniziere, dann geht es den Kindern damit nicht gut. Wenn ich aber ehrlich bin und sage, das ich gerade eine Pause brauche, dann funktioniert es auch. Ich habe das zumindest genauso beobachtet.

    Und ansonsten sehe ich in den Schulen auch all die Kinder, die sich verweigern, wenn die Dinge nicht gefallen. Gerade hat mein Sohn ein Mädchen in der 2. Klasse dabei, die immer wieder den Unterricht so sehr verweigert, das die Mutter sie abholen muss. Sicher steht da auch noch was anderes dahinter. Aber eben auch die Tatsache, das sie es nicht gewohnt ist, das sie sich anpassen muss. Und genau das ist eben auch wichtig.

    Die Kinder leben ja nicht in einer Glaskugel. Wir können sie nicht immer vor allem schützen. Mein Großer macht jetzt Abitur, bald wird er arbeiten. Er muss sich einfügen können, um all das zu schaffen.

    Dennoch will ich als Mutter jedes einzelne Kind und seine Bedürfnisse im Blick haben. Das ist wichtig. Das ist meine Herausforderung. Gerade auch mit so vielen Kindern.

    Die Lösung: ich bring dich zum Fußball und gehe dann in den Wald, die ist doch super. Das passt für beide. Dieses Angefeuere und Geschimpfe am Fußballplatz ist eh nicht auszuhalten. Da schimpfen sonst pädagogisch wertvolle Eltern manchmal, das einem die Ohren wackeln.

    So jetzt habe ich aber viel geschrieben 🙂

    Viele liebe Grüße
    Andrea

  17. Liebe Claudi, ich möchte dir gerne zustimmen: Ich sehe das genauso wie du und finde, dass du den Artikel richtig schön auf den Punkt gebracht hast. Aus Mutter – und aus Lehrersicht 🙂

    Ich muss ganz oft an den Satz meiner Hebamme denken: „Es muss immer für euch alle drei passen!“. Den habe ich aus der Anfangszeit entnommen und benutze ihn aktuell auch ganz oft. Ich hatte gerade im letzten Jahr viele Momente, in denen ich wirklich was für mich machen musste, weil ich das Gefühl hatte, dass alle an mir ziehen und ich nicht mehr kann und das war ok, für uns alle.

    Alles für das Kind und man selbst geht vor die Hunde? Das kann doch eigentlich nicht der Sinn des AP sein!?

    Ich guck mir solche „Erziehungsströmungen“ immer an und pick mir daraus das für mich beste raus und versuche das umzusetzen und wenn ich an Grenzen komme, dann überdenk und reflektier ich das Ganze nochmal und ändere es nach Bedarf. Damit fahre ich bisher ganz gut, würde ich sagen. 🙂

    Zum Schluss: Ich habe heute ein ganz schönes, fröhliches Lied von Julia Engelmann gehört („Das Lied“) und möchte dir daraus eine Zeile zitieren:

    „Es geht nicht drum wie viel, sondern darum, dass du gibst.“

    Das heißt für mich in diesem Kontext: Wir geben unseren Kindern Liebe und ich bin mir ganz sicher, dass wir ihnen genug davon geben! Aber wichtig ist doch, dass wir ihnen diese Liebe überhaupt geben, oder?

    Herzliche Grüße,
    Katharina

  18. Kathrin on 30. Januar 2018 at 15:09 geschrieben

    Wunderbar! Herrlicher Artikel-DANKESCHÖN!!! Das ganze Thema beschäftigt mich auch seit einiger Zeit und es erleichtert mich enorm zu lesen, wie es anderen damit geht. Das Leben mit drei Kleinkindern (Zwillinge von knapp drei und ein Baby im Alter von sieben Monaten) ist absolut herausfordernd..als Mütter/Eltern muss man da gut mit seinen Kräften haushalten um auch am Ende des Tages noch ‚ansprechbar‘ zu sein und sich weiterhin als Mensch zu fühlen…selbst der Gedanke ‚ich bin auch noch da‘ hilft mir manchmal schon aus der Fremdbestimmungsfalle heraus…viele Grüße und alles Gute für euch, Kathrin

  19. Kerstin on 30. Januar 2018 at 15:17 geschrieben

    Du sprichst mir aus der Seele! Finden wir Mütter uns eigentlich alle von unseren Eltern so verkorkst, dass wir uns und unserem Bauchgefühl nicht mehr trauen, sondern für die Erziehung unserer Kinder ein Konzept mit Namen brauchen, an dem wir uns entlang hangeln? Die Lebensumstände einer jeden Familie und die einzelnen Mitglieder sind doch so individuell, dass man da meiner Meinung nach kein Konzept überstülpen kann. Es sollte vielmehr eine Mischung aus eigener Ehrfahrung, Wünschen & Vorstellungen und den Bedürfnissen aller Beteiligten sein. Meine Kids (7 und 10) haben meines Erachtens eine sehr enge Bindung zu uns Eltern, auch ohne AP Grundsätze. Wir haben einfach ‚gemacht‘. Alle strengen AP Mütter frage ich: Was passiert mit Eurem Kind, wenn Ihr für beispielsweise mal plötzlich aus welchen Gründen auch immer ausfallt? Ist es nicht sinnvoll, wenn Eure Kinder dann Bezugspersonen haben, wo sie auch gut aufgehoben und zufrieden sind? Das beobachte ich nämlich zunehmen bei den Müttern in meinem Umfeld: Dass Kleinkinder nicht auch mal bei Oma sein dürfen oder bei der Tante übernachten. ‚Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen.‘ Den Spruch mag ich. Und jetzt hab ich mich wohl in Rage geschrieben. Ups.

  20. Liz on 30. Januar 2018 at 15:41 geschrieben

    Fantastisch!! Ich finde, genau darum geht es: Kindern (auch!) beizubringen, dass nicht immer alles Spaß machen kann im Leben, aber wie man eben genau diese Dinge trotzdem mit Ausgeglichenheit meistern kann – eben, indem sie lernen, dass sie selbstverständlich zum Alltag dazu gehören.

  21. E on 30. Januar 2018 at 17:19 geschrieben

    Dieser Artikel ist so lesenswert! Danke!

  22. Dana on 30. Januar 2018 at 17:26 geschrieben

    Hallo, Claudia! Wunderbar geschrieben. Mir ging es bei unserer Grossen auch so, sie würde aus dem Bauch heraus erzogen. Doch sah ich mich ständig damit konfrontiert „ihr seid anders“ „ihr handhabt das ja nur so ,weil ihr noch so jung seid“. Zweifel gab es genug jedoch gingen und gehen wir unseren Weg, auch wenn es nicht immer leicht war und ich oft in dieses Rechtfertigen meines handeln und Tuns fiel.Lustig finde ich das, diejenigen die uns schief angesehen haben bezüglich Familienbett (den Begriff kenn ich erst seit kurzen und auf einmal ist das Kind im Bett gerechtfertigt?) mittlerweile mit ihren Kindern (6,10 Jahre)dies jetzt praktizieren. Aber ich nehme mir auch MEINE Zeit, denn das ist wichtig um wieder Kraft für die Familie zuhaben. Alles Liebe, Dana

  23. girlfrommars1 on 30. Januar 2018 at 17:56 geschrieben

    Wie war , ich stimme dir da voll zu . Ich finde es echt auch schwierig , weil ich denke das man ( meistens Mamas ) häufig unbewusst sehr nach den Bedürfnissen der Kinder agieren . Männer gucken (jedenfalls im meinem Umfeld ) häufiger und ohne schlechtes Gewissen nach ihren Bedürfnissen gucken. Ich hab letztens noch gedacht , dass wir auf langen Autofahrten immer Hörspiele der Kinder hören u ich mich nicht erinnern kann , dass meine Eltern das getan haben , dass sich vieles verschoben hat . Anderseits finde ich es gut , dass meine Kinder selbstbewusster sind als ich als Kind.

  24. Vanda on 30. Januar 2018 at 19:17 geschrieben

    Hallo Claudia, ich finde deinen Artikel auch sehr gut. Und ich denke, dass du mehr nach AP lebst, als du selber sagen würdest. AP oder bedürfnisorientierte Erziehung sollte man – meiner Meinung nach – nicht als eine Erziehungsmethode, sondern eher als eine innere Haltung ansehen. Es geht um die Frage „Wie will ich meinem Kind/meinen Kindern begegnen. Wir Eltern haben eine unglaublich grosse Macht, die leider noch zu oft missbraucht wird. Deswegen finde ich es schon richtig, dass sich so viele für AP entscheiden, sich dafür entscheiden, ihren Kindern auf Augenhöhe zu begegnen, sie und ihre Bedürfnisse ernst zu nehmen.

    Fälschlicherweise wird jedoch oft gedacht, dass man bei AP seine eigenen Bedürfnisse ausblenden muss. Zu einer Beziehungen gehören immer mindestens zwei. Und die Freiheit eines Menschen hört da auf, wo die Freiheit eines anderen anfängt. In vielen Situationen heisst es dann Kompromisse zu machen und Lösungen zu finden, die für alle Beteiligten in Ordnung sind.

    Im Alltag ist es nicht immer leicht. Ich habe selber 3 Kinder (7, 5, 1) und es gelingt mir nicht immer alle Bedürfnisse gleichzeitig zu berücksichtigen. Und es wird auch hier mal gestritten, gemeckert oder gebrüllt. Solange man aber im Umgang mit den Kindern respektvoll und authentisch bleibt, finde ich es okay. Es gehört dazu. Genau wie eine Kaffeepause für die Mama:).

    Wenn man mehr über AP oder gar über „Unerzogen“ lesen möchte, empfehle ich die Instagram Account von Wiebke (@piepmadame&Mama Wiebke) oder Olivia (@freefamily.rocks). Da gibt es immer interessante Denkanstöße.

    Liebe Grüße
    Vanda

  25. STeffi on 30. Januar 2018 at 22:45 geschrieben

    liebe Claudi, du sprichst mir aus den Mund…. ich konnt gar nicht aufhören, den Artikel fertig zu lesen. Als Mama von 3 Kindern geht es mir oft ähnlich, man lebt mit und für die Kinder und vergisst oft sich selbst (So wie ich leider oft nur das Trinken für meine Lieben einpacke und selbst vergess, mir was zum Trinken einzustecken.. es ist jeden Tag aufs neue eine Herausforderung, den Alltag und Beruf mit den Kids zu meistern.. und ich komm auch oft ins grübeln und Nachdenken, ob wir alles richtig machen, ob ich heut jeden gleich viel Zeit geschenkt hab, für die Kids da war… allerdings ist es auch immer auch eine Gradwanderung.. mal gelingt es gut, mal ist man abends mit sich selbst unzufrieden – aber vielleicht auch weil man „permanent verfügbar “ ist für die Kinder…Ich denke,eine Auszeit für einen selbst ist gut zum Kraft schöpfen und um den Alltag besser bewältigen zu können … du machst das schon richtig, hör auf dein Bauchgefühl und den gesunden Menschenverstand!! .. und ich glaub auch, dass Kinder heutzutage auch gewisse „Neins“ der Eltern brauchen, um daran wachsen zu können..:-)

  26. Daniela on 30. Januar 2018 at 23:12 geschrieben

    Hallo Claudia!
    Was für ein schöner Artikel.
    Über genau diese Thema habe ich vor ein paar Tagen mit ein paar ganz lieben Mamas gesprochen.
    Ich habe mir in letzter Zeit auch viele Gedanken über AP gemacht. Und ich glaube auch, das ganze kann nur funktionieren wenn man auch an dich denkt. Auch seinen Bedürfnissen nach kommt, sich Zeit für sich und auch dem Partner nimmt. Denn auch das ist Zeit aus der man sich Kraft und Energie ziehen kann.
    Nur wenn es mir gut geht, kann es auch meinem Kind gut gehen.
    Und wir sollten uns kein schlechtes Gewissen machen, denn ich glaube, unsere Kinder verstehen uns oft viel besser als wir glauben

  27. Luisa on 31. Januar 2018 at 00:21 geschrieben

    Liebe Claudi
    Ich finde es schade wenn Mütter sich schleichend immer mehr über ihre Kinder definieren. Das heißt, nur noch ihre Bedürfnisse erspüren und ihnen nachgehen. So verlieren wir unsere Persönlichkeit und damit auch unsere Partnerschaft. Denn fast alles dreht sich nur noch um unsere Kinder.
    Niemanden ist damit geholfen. Ich gucke mir oft die Väter an, um in Punkto Grenzen setzen.
    Durch die Schwangerschaft und das Stillen ist natürlich unsere Unabkömmlichkeit größer und die Gefahr des Verschmelzens mit den Kindern eher gegeben.
    Es ist ja auch so wunderbar und einzigartig diese Liebe zum eigenen Kind…..
    Fast immer wenn ich grantig wurde, habe ich im Nachhinein bemerkt, wie ich mich bereits selbst vernachlässigt hatte, meine Grenzen und Kapazitäten überschritten waren. Also zuwenig nach mir und meinen Bedürfnissen geguckt hatte.
    Wir Frauen setzen uns meist so unter Druck und wollen alles so perfekt machen. Mensch!
    was für Gedanken plagten mich über meine 3Kinder und wieviele Gedanken blieben überhaupt noch übrig für mich?

    Ich finde es bemerkenswert wie klar du dein Leben mit deinen Kindern führst!
    Guck weiter nach regelmäßigen Auszeiten für dich und deinen Mann.
    Damit geht es dann auch deinen Kindern am Besten.
    Und ich finde man muss auch nicht immer alles erklären. Es ist unglaublich anstrengend und zermürbend.
    Wenn man so ein paar Regeln in der Familie geklärt hat, ist es einfacher und leichter für alle…..ach es ist ein spannendes Thema, mit schier endlosem Stoff!
    Schluss jetzt und gute Nacht.

  28. Katja on 31. Januar 2018 at 07:09 geschrieben

    Hallo,

    wie wahr! Ich habe selbst 3 kleine Kinder und gehe halbtags arbeiten. Wir orientieren uns sehr Richtung AP als Eltern. Wenn ich arbeite ist der Mann zu Hause und umgekehrt. Das kostetet alles viel Kraft und erst beim dritten Kind fing ich an, zaghaft nach meinen Wünschen/ Bedürfnissen zu fragen. Kleinigkeiten wie kurz eine Tasse Tee genießen… Der Artikel ist super, ich lese gern mehr darüber, wie man im Alltagstrubel bei Kräften bleibt.

    Liebe Grüße Katja

  29. Ich hab vor einigen Monaten einiges über AP gelesen und mir ist im Hinterkopf geblieben, dass es dabei auch um eine Grundhaltung geht und gar nicht so sehr um eine strenge Einhaltung von Regeln. Im Prinzip haben wir bisher bei unserer Maus alles falsch gemacht: sie ist absolut kein Tragekind, hat im Tuch nur gebrüllt, liebt aber ihren Kinderwagen, sie schläft von Anfang an in ihrem Bett in ihrem Zimmer (das war uns wichtig), vom Stillen wurde sie nicht satt und ich immer gestresster usw. Trotzdem glaube ich, dass wir eine sehr gute Bindung haben.
    Und genauso hat sie aber auch eine gute Bindung zu ihren Großeltern. Denn da war sie immer wenn ich einen Termin hatte und nun zwei Vormittage, wenn ich arbeite. Und ich denke, auch das ist wichtig, dass es eben noch andere Menschen gibt zu denen die Kinder eine Bindung aufbauen und nicht nur zu Mama.
    Wie schon so viele hier geschrieben haben, auf das Bauchgefühl kommt es an. Und Deine Lösung für die nächste Woche find ich klasse!

  30. Ricarda on 31. Januar 2018 at 08:28 geschrieben

    Liebe Claudi,
    Danke für den schönen Artikel! Mir fallen zwei Sätze dazu ein, die ich mir in den Phasen der Unzufriedenheit (meine Bedürfnisse vs. der meiner 3 Kinder) hervorhole a) mit der Geburt der Kinder kommt automatisch das Dauer-schlechte-Gewissen 🙂 jeder ist anders und niemand perfekt. Ich habe auch über die Jahre so viel dazu gelernt und den Kurs korrigiert- je nach Bedürfnissen. B) Da ich viele Dienstreisen hinter mir habe, denke ich oft an einen Satz aus den Sicherheitshinweisen im Flieger, wenn es um die Sauerstoffmasken geht: Helfen sie erst sich und dann anderen. Ich kann niemandem mehr helfen, wenn mir die Luft ausgeht- also muss ich gut auf mich aufpassen 🙂 das ist also nicht egoistisch, sondern überlebenswichtig! Spätestens, wenn ich nur noch giftig vor mich hin motze, weiss ich, ich hab keine Luft mehr. Da ist es im Grunde schon zu spät…
    Meine größte Herausforderung ist es allerdings zu erkennen, was ich grad brauche und es rechtzeitig umzusetzen oder zu benennen. Ich arbeite dran 🙂
    Liebe Grüße, Ricarda

  31. Lisa on 31. Januar 2018 at 13:46 geschrieben

    Das Thema finde ich sehr spannend und wie so viele Themen a la Stillen, Familienbett, Kinderwagen oder Trage usw. bietet es so viel Raum für Diskussion, die meiner Meinung nach hinfällig ist. Denn Du bist die Mama, Du bist die Expertin Deiner Kinder, wie es im Early Excellence so schön heißt. Und ich vertrete auch ganz stark die Devise „glückliche Mama, glückliche Kinder“ 😁 Und ehrlich gesagt erlebe ich in meinem Umfeld ganz wenig Eltern die so auf eine gute Bindung oder demokratischen Haushalt bedacht sind. Da heißt es eher „was ich sage ist Gesetz!“ Und „Kinder können noch nicht wissen was sie wollen!“ Und da muss ich widersprechen! Denn schon Säuglinge wissen sehr wohl was sie brauchen. Wenn sie Hunger haben, Nähe brauchen, schreien Sie und man richtet sich ganz nach Ihnen. Ich finde Kinder sind kompetent. Und Du hast geschrieben Du redest mit Deinen Kindern und genau das ist wichtig! Auch wenn Ihnen mal etwas widerstrebt, aber Sie wissen woran sie sind und um was es geht. Wenn man nur Nein sagt ohne Erklärung dann geht es schief, aber Kinder brauchen authentische Eltern, die mal traurig sind, verletzbar, hungrig, müde. Und wenn Dein Kind mal auf der Badmatte liegt, aber Du bist in der Nähe und sonst zur Stelle und würde er das nicht wissen, würde er nicht mehr weinen. Denn dort wo es keine Bindung gibt, keinen Halt, keine Nähe und keinen Verlass, diese Kinder weinen nicht mehr. Sie sind unsicher gebunden. Aber wenn er weint dann weiß er er kann seine Emotionen zeigen und Du hörst Ihn und Du kommst, auch wenn es mal ein Par Minütchen dauert. 😊

  32. Magdalena on 31. Januar 2018 at 14:07 geschrieben

    Ich komme erst am Mittwoch dazu, die Dienstags-diskussion zu lesen, und da alle den Artikel so bejubeln, gebe ich doch auch mal einen Senf ab. Es ist doch toll, dass so viele Eltern ihre Kinder bedürfnisorientiert erziehen (wollen). Das ist auf jeden Fall positiv zu sehen. Das heißt aber noch lange nicht, dass diese Eltern perfekt sind. Ich denke, dass ist hier Deine Sorge: dass Du nicht die perfekte Mutter bist. Die perfekte Mutter gibt es wahrscheinlich sehr selten. Die meisten Mamas wollen das beste für ihre Kinder. Manchmal fehlt halt etwas die Aufmerksamkeit, Zeit oder Verständnis. Wer sich Gedanken über seine Kinder macht, sich informiert, liest, wird auch sicherlich vieles richtig machen. Floskeln „das hat mir auch nicht geschadet“ oder „die Kinder müssen auf das harte Leben vorbereitet werden“ sollten dennoch nicht gedacht und erst recht nicht gesagt werden. Klar wollen wir den Kindern eine schöne Zeit geben. Kinder erleben in ihrer Kindheit genug Frustration.
    Eine bedürfnisorientierte Erziehung schließt meiner Meinung nach nicht aus, dass die Kinder kein „danke, bitte, entschuldige“ sagen. Sie lernen das doch Empathie und durch eigenes Vorleben.
    Und es kommt immer auf die Ressourcen der Eltern an, was machbar ist und was nicht. Und ich stelle nicht unbedingt die Bedürfnisse der Kinder über meine, sondern ich versuche, alle Bedürfnisse zu erfüllen. Kleinen Kindern fällt es jedoch noch ziemlich schwer, zu warten und sich zu gedulden. Da versuche ich die Bedürfnisse schneller zu erfüllen bzw. vor meinem Bedürfnis.
    Und bei Deinem Beispiel mit der Serie. Ich hätte hier ganz klar anders entschieden. Die Serie kann ich mir auch morgen noch anschauen, aber das Kind glücklich machen, kann ich jetzt und das ganz einfach. Du bist trotzdem eine super tolle Mama und ich bewundere Dich! Ich drücke Dich!

    • Nadine on 31. Januar 2018 at 20:27 geschrieben

      Da stimme ich dir zu!

      Nur ein Punkt: Ich denke, es ging absolut nicht um die Serie. Es ging glaube ich um Abschalten nach einem strssigen Tag, dem Bedürfnis, kurz allein zu sein und der Sehnsucht danach, auch mal tun zu dürfen, was man tun möchte. Das ist etwas schwieriger aufzuschieben 🙂

    • Claudia on 31. Januar 2018 at 20:38 geschrieben

      Ich danke dir für deinen ausführlichen Kommentar – an vielen anderen Abenden hätte ich auch anders entschieden, ganz klar. Die blöde Serie. Aber an dem Abend war eben meine Nähe-Grenze, meine Tröst-Grenze, meine Aushalt-Grenze erreicht. Ich denke nicht, dass ich dadurch eine schlechte Mutter bin. Perfekt nicht, aber auch nicht schlecht. Und ich möchte anderen Mamas Mut machen, die solche Situationen auch schon erlebt haben und eben auch schon mal wie ich entschieden haben: fühlt euch deshalb nicht schlecht.
      Alles Liebe.

  33. Anja Jorre on 31. Januar 2018 at 14:19 geschrieben

    Du sprichst mir aus der Seele! Als Mutter von 2 fast erwachsenen Söhnen stosse ich auch heute noch auf verständnislose Blicke, weil wir manchmal Dinge anders, oder unkonventionell machen. Aber eben so, wie es für unsere Familie passt! Und immer aus dem Bauch heraus. Ich glaube nicht, daß es meinen Jungs und unserer Bindung geschadet hat, daß ich z. B. immer selbstständig gearbeitet habe..Mir gehen eher die ganzen heutigen kleinen Egoisten, die alles dürfen auf den Keks! Und davon treffe ich genug in meinen Kinderturnstunden 😉LG, Anj

  34. Nadine on 31. Januar 2018 at 20:23 geschrieben

    Vielleicht habe ich das immer falsch verstanden, aber ich dachte, eigene Grenzen haben sei absolut bedürfnisorientiert. Das Besondere daran ist, wie diese Grenzen vermittelt werden. Erniedrigend? Unfreundlich? Oder einfach: In Beziehung. (Manchmal leichter gesagt als getan)

    Eigene Grenzen setzen ist absolut wichtig. Denn genau das möchte ich meinem Kind vorleben, das ist doch eine wichtige Kompetenz. Also kein schlechtes Gewissen haben, eher ein gutes!

    Was ich schlimm finde, sind künstliche Grenzen, die mir eigentlich gar nicht wichtig sind, nur, damit mein Kind gehorchen lernt. Oder das Kind absichtlich warten zu lassen. Solche Dinge.

  35. Corinna on 31. Januar 2018 at 20:30 geschrieben

    Auch ich möchte mich für deinen schönen Artikel bedanken! AP hat mir seit der Geburt von meiner ersten Tochter für 4 Jahren tolle neue Ansätze gegeben, aber leider auch dafür gesorgt, dass ich so häufig schlechtes Gewissen im Umgang mit meinen Kindern fühlte und ich mich nicht (mehr) traute , meinem Bauchgefühl zu vertrauen, aus Angst irgendetwas falsch zu machen, etwas zu beschädigen. Der Schlafmangel hat hier sogar zum Burnout geführt. Letztendlich hat eine glückliche Mama, die auch ab und zu an sich denkt und damit ihren Kindern zeigt, wie man sich für seine eigenen Bedürnisse stark macht,auch glückliche Kinder.:-)

  36. Lisa on 31. Januar 2018 at 21:50 geschrieben

    Hach, du bist einfach toll! Danke für diesen Text 🙏 Ich habe auch gerade mein 4. Baby bekommen und bin auch Grundschullehrerin (kann mich also nicht mal bei der Arbeit vor Kindern und ihren Bedürfnissen verstecken 😂) und ich muss sagen, ich erwische mich zwischendurch auch dabei, dass ich nur noch die Bedürfnisse meiner Kinder zu stillen versuche und irgendwann macht sich bei mir dann die Unzufriedenheit breit und dann fällt mir auf, dass ich meine Bedürfnisse Tage lang komplett vernachlässigt habe…Dabei ist es so wichtig auch zwischendurch die eigenen Bedürfnisse mal über die der Kinder zu stellen (ohne schlechtes Gewissen)…mal wieder selber Sport zu machen als immer nur zuzugucken wie die Kinder Sport machen…sich mal wieder selbst zu einer Verabredung zu fahren als immer nur die Kinder hin und her zukutschieren… vielen Dank fürs daran erinnern, dass es auch total ok ist, auch mal nicht beim Fußball zuzugucken und ohne Kleinkind im Bett zu schlafen… und das Ganze ohne sich dabei immer schlecht zu fühlen!

    • Claudia on 7. Februar 2018 at 22:23 geschrieben

      Genauso ist es. Und ich bin ja auch hinterher immer ganz besonders gut als Mama, finde ich, wenn ich mal was für mich gemacht habe.
      Alles Liebe,
      Claudi

  37. Liebe Claudia, ich denke dass AP manchmal auch einfach falsch verstanden wird!? Bedürfnisorientiert heißt doch dass es um die Bedürfnisse aller geht, sonst würde es doch nicht funktionieren..das sehe ich auch so. Und vielleicht meint bedürnisorientiert das auch? Ich glaube dass es vielmehr um das „wie“ geht, wie zeige ich auf respektvolle Weise auch meine Grenzen usw. Dein Sohn lernt ja auch gerade dadurch seine eigenen Grenzen zu vertreten, wenn du sie selber vertreten kannst! Und ja, ich denke auch dass Kinder durchaus verstehen was man ihnen mitteilt, wie du ja es auch beschreibst mit dem Fußballspiel. Es gibt so viele Wege Bindung zu leben..und dazu gehören meiner Meinung nach auch absolut die Hochs-und Tiefs, die tausend Fehler und die tausend schönen Momente. Ich glaube dass es nur darum geht dass auch die Kinder wissen, hören und fühlen dass wir nicht unfehlbar sind, verletzlich sind und dazu stehen …
    Ganz liebe Grüße
    Sarah

  38. Rike on 3. Februar 2018 at 09:09 geschrieben

    Huhu,
    ich bin mir nicht sicher, ob ich alle Antworten zu deinem Post gelesen habe, aber ich habe Attachement Parenting nie als eine Art Dogma oder einen Hang zur Selbstaufgabe verstanden, sondern ganz im Gegenteil: als eine Grundidee, als eine Einstellung zu dem Kind, zum Leben mit dem Kind, zum Umgang mit Kind.
    Bin mir auch ziemlich sicher, dass Dr. Sears das zumindest 1x (wenn nicht öfter) in seinem Buch „Schlafen und Wachen“ (ist zugegebenermaßen das einzige, was ich je von ihm gelesen hab) geschrieben hat: die Lösung, die jeweils für ALLE Beteiligten zum besten Schlaf führt, ist die richtige. Seiner Erfahrung nach, ist das am besten im Familienbett gewährleistet, aber andere Varianten sind auch denkbar- je nach Familie.

    Ich glaube, AP wird mittlerweile oft leicht dogmatisch verstanden, was ich sehr schade finde, denn ich glaube, so ist es nicht gemeint.

    Und zu deinem Artikel: ich habe „nur“ einen Sohn, arbeite aber ebenfalls mit Kindern und komme daher oft auch an meine Belastungsgrenze; zumal Haushalt, Hund, Einkaufen, Arzttermine und Co die allermeiste Zeit auch meine Baustelle sind, da mein Mann viel weg ist.
    Es war ein harter Weg, immer wieder in mich hinein zu fühlen, um frühzeitig meine Belastungsgrenze zu erkennen. Es fällt mir oft nach wie vor schwer, aber mir hat es geholfen, auch ganz banal bestimmte Fixpunkte im Tag (z.B. der Weg von der Arbeitsstelle zur Tagesmutter meines Sohnes) zu nehmen, um kurz in Ruhe meine Reserven für den Tag zu erspüren.
    Schaff ich den Einkauf noch mit potentiell quengeligen Kind oder gibts heute mal Lieferpizza? Fahre ich mit Kind und Hund heut noch bis Eppendorf (liebes Winken an dieser Stelle aus Hamburg nach Hamburg =) ), um meinen Bruder zu besuchen oder kann er vllt. auch zu uns kommen?

    Anyway, ich wünsche euch alles Liebe!
    Habt ein schönes, entspanntes, unquengeliges Wochenende,
    Rike

  39. Maria on 7. Februar 2018 at 22:17 geschrieben

    Liebe Claudi,
    ich habe ganz fasziniert Deinen Artikel gelesen, den ich über eine andere Seite verlinkt gefunden habe. Ich bin selbst auch Mutter von vier Kindern (10 und 8 Jahre, 22 und vier Monate). Ich habe bis gerade eben noch nichts von AP gehört. Ich bin nicht vom Mond, ich bin Fachärztin, viersprachig, gesellig, aber eben auch Mutter von vier Kindern. Natürlich frage auch ich mich täglich, ob ich denn auch alles richtig mache, oder ob das was ich jetzt sage, die Kinder in 20 Jahren mit ihrem Therapeuten bearbeiten müssen, aber wir Frauen sollten es uns auch nicht zu schwer machen. Liebevolle Konsequenz ist mein Motto. Und ich bitte die Kinder(die Grossen mit Worten, die Kleinen in Gedanken) nachsichtig mit uns Eltern zu sein. Wir tun unser bestes.

    • Claudia on 7. Februar 2018 at 22:29 geschrieben

      Hallo, das freut mich, dass du hier vorbei schaust. Wie lustig (und wunderbar irgendwie), dass diese ganze AP Debatte bisher an dir vorbei gegangen ist.
      Und hey, dass mit dem Nicht-so-schwer-machen klingt super.
      Alles Liebe,
      Claudi

  40. Maja on 9. März 2018 at 21:20 geschrieben

    Oh danke für diese Worte. Es tut gut an so einem chaotischen Tag wie heute, ihn zu lesen. Ich tue mir jetzt mal etwas Gutes. Du hast so Recht, dass man einfach auf seinen Menschenverstand hören muss.

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