Dienstags-Diskussion: Was tun, wenn Kinder immer wieder dazwischen reden?

Apr
11/17

Letztens war es wieder einmal so. Ich habe telefoniert, am Nachmittag und mit einer Agentur. Obwohl ich versuche, das zu vermeiden – manchmal geht es eben nicht anders. Meine Söhne sind wunderbar. Manchmal still, oft wunderbar geschwätzig. Am wunderbar geschwätzigsten sind sie, wenn ich gerade mit anderen Menschen wichtige Gespräche führe…
Was tun, wenn Kinder immer dazwischen reden?
Ich verhandelte gerade am Telefon über einen Deal, einen lohnenswerten Deal, ein Deal, der mir wirklich am Herzen lag, da kam mein Sohn kam hereingerannt, wirbelte aufgeregt mit den Armen und rief aufgeregt die Wörter „Käfer“ und „Haustier“ und „Marmeladenglas“. Immer wieder und immer lauter. Ich legte den Finger auf den Mund, schüttelte entsetzt den Kopf und sagte gleichzeitig: „Ja, prima, das finde ich super!“. Letzteres zu dem Agenturmitarbeiter am Telefon.

Dann wollte der aber plötzlich eine Kondition in unserem Deal, die ich auf keinen Fall wollte, also versuchte ich ihm freundlich, aber bestimmt meine Vorstellung klarzumachen. Gar nicht so einfach, weil ich solche Verhandlungen hasse. Noch schwieriger, weil mein Sohn immer aufgeregter an meinem Rock zog und noch lauter etwas von Marmeladenglas trällerte.

MAMAAAAAAAA. MARMELAAAADENGLAS.
„Jetzt nicht. Gleich Schatz…“
„Verzeihung ich meinte nicht Sie, …. Nein, damit bin ich nicht einverstanden.“
MAMAAAAA.
„Psst!“
„Oh Verzeihung! Was haben Sie gesagt? Ja, können wir so machen…!“
DARF ICH MAMA? MAMAAAAAA?
„Neeeein!“
„Ähm, sorry, ich meinte nicht Sie. Nein. Also ja.“

Ich machte möglichst wütende Grimassen, rupfte seine zupfenden Finger von meinem Kleid und winkte immer wieder mit der Hand ab.

MARMELADENGLAS! HAUSTIER? ALSO DARF ICH???? MAMAAAAA.
„Legen Sie noch zweihundert drauf und der Deal passt so!“
WIE ZWEIHUNDERT, MAMA?
„Psst!“
„Passt.“
PASST?
„Psst!!!!!!!“

Als ich auflegte, war ich schweißnass und mein Herz raste, wie einer dieser roten Ziffer-Countdowns auf den Bomben in den amerikanischen Kriminalserien. Kurz vorm Explodieren. Mir war danach loszubrüllen. Aber dann hockte ich mich auf Sohnhöhe, nahm seine Hand und versuchte ihm zu erklären, dass das SO nicht funktionierte.

So nicht. Aber wie?

– Ich erklärte, dass ich immer und überall versuchte, sofort für ihn dazusein. Dass das aber leider nicht immer ginge. Wenn ich mit anderen sprach, egal ob persönlich oder am Telefon, muss er warten.

– Weil Warten aber so schwer ist, verabredeten wir ein Zeichen. Wenn er also hereinkommt und sieht, dass ich telefoniere, muss er warten. Vielleicht hilft es, sich das Handy wie eine geschlossene Schranke am Bahnübergang vorzustellen. Da muss man ja auch warten. Egal wie eilig man es hat. Als Hinweis, dass er ganz dringend etwas von mir will, darf er aber meine Hand nehmen und sie einmal fest drücken. Wie zwei Agenten bei einer furchtbar geheimen Sache. Ich drücke zurück, als Zeichen, dass ich ihn verstanden habe, beende entweder möglichst zügig mein Gespräch oder warte auf eine Möglichkeit für eine kurze Unterbrechung. In diesem Fall entschuldige ich mich kurz bei der Person am anderen Ende der Leitung und höre ihm kurz zu. Ganz kurz. Vielleicht können wir die Sache gleich klären. (In diesem Fall war der Käfer eine Wespe, die er als Haustier im Marmeladenglas halten wollte. Ich hätte die ganze Sache also wohl mit einem Satz klären können). Vielleicht würde ich ihn auch auf später vertrösten müssen – die erste Dringlichkeit wäre aber vielleicht dennoch weg.

Einmal haben wir die Hand-Drück-Methode bereits getestet und sie hat prima funktioniert. Besser als ohne auf jeden Fall. Und ohne Herzklopfbombencountdown.

Wie geht ihr mit dem Dazwischenreden um? Tricks? Tipps?
Ich bin sehr gespannt auf eure Kommentare…

Eine schöne (kurze!) Woche weiterhin,

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11 Kommentar zu “Dienstags-Diskussion: Was tun, wenn Kinder immer wieder dazwischen reden?

  1. Sharon on 11. April 2017 at 07:52 geschrieben

    Das kommt mir irgendwie bekant vor, allerdings hatte meine Kleine eine Phase, da wollte sie „auch mal“ mit dem jenigen am anderen Ende der Leitung sprechen und wenn sie das nicht durfte gab es ein riesiges Geschrei, was das Telefongespräch leider nicht ganz erleichtert hat. Da hat die Kleine dann auch mal mit einer Arzthelferin oder der Sekretärin der Schule gesprochen 😉

  2. Tolle Idee! (Gleich abgespeichert)) Gibt’s denn auch Tipps wie man das mit 2,5 jährigen machen könnte? 😅😬

    • Claudia on 11. April 2017 at 11:13 geschrieben

      Ich fürchte, da kann man nichts machen. (Außer nicht zu telefonieren wenn KInd im Raum ; )
      Liebste Grüße!

  3. Amanda on 11. April 2017 at 10:23 geschrieben

    Hallo 🙂 Wir machen das auch so…Sohn legt seine Hand auf meine und ich signalisiere ihm durch eine Berührung, dass ich ihn wahrgenommen habe. Er weiß dann, dass ich mich, sobald es mir möglich ist, ihm zuwende. Klappt meistens recht prima, manchmal vergisst er es aber auch und dann kommt erst das Geschrei und dann die Hand 😀
    VG Amanda

  4. Huhu! Ich habe mich auch gerade damit beschäftigt und finde deine Idee- mit den Händen- als Zeichen eine gute Idee. In manchen Fällen ist es einfach nicht möglich dem Kind zu zu hören (wichtiges Telefonat) aber oft gibt es auch Situationen, in denen das Abwägen möglich ist. Denn manchmal erleben Kinder ja sehr wichtige Dinge, die sie mit vollem Elan mit uns teilen wollen. Nach Möglichkeit würde ich diesen Elan nicht stoppen sondern eher das banale Gespräch mit der Nachbarin. Manchmal quasseln die Kleinen aber auch nur um zu quasseln, so mein Eindruck. Dann halte ich es für richtig und wichtig klar zu machen, dass es gerade keine Möglichkeit ist, dass alle gleichzeitig erzählen und das Kind warten muss.
    Also um es nochmal kurz zu sagen; ich appelliere dafür, situationsabhängig zu reagieren und abzuwägen was gerade angemessen ist und dies möglichst klar zu kommunizieren.

    Danke für den Artikel, alles Liebe!

  5. Julia on 11. April 2017 at 16:06 geschrieben

    Wir machen die Hand-Drück-Methode auch seit drei Jahren. Bei der Großen (fast 7) funktioniert das inzwischen perfekt. Die Mittlere (4) braucht manchmal noch einen kurzen Blick, damit sie dran denkt. Die Kleine ist erst eins, mit ihr gehts natürlich noch nicht. Aber wir haben ein gruselig klingelndes und singendes Spieltelefon, das ich ihr nur gebe, wenn ich dringend telefonieren will. Es ist also etwas ganz besonderes für sie. Das klappt meist für ein paar Minuten.

  6. Cathrin on 11. April 2017 at 21:35 geschrieben

    Wenn ich telefonieren muss/möchte, dann melde ich das bei meinen Kindern/Tageskindern an und bitte darum mich für einen kurzen Moment nicht zu stören. Und nach dem Telefonat „melde“ ich mich wieder als anwesend.
    Werde ich angerufen, reicht meist der „Ruhezeigefinger“ vor dem Mund und kommt ein Kind mal und will was, hilft die Hand auf der Schulter des Kindes, um zu zeigen „ich habe dich bemerkt und ich komme zu dir.
    Wenn das so nicht klappt, dann bitte ich den Anrufenden kurz zu warten und erkläre für alle hörbar, dass ich jetzt zuerst dem Menschen am Telefon zuhöre und dann wieder bei ihnen bin.
    Funktioniert meist gut, oftmals helfen sich die Kinder dann schon gegenseitig oder hören einander zu und bei Not am Mann, verabschiede ich mich vom Telefon und telefoniere später.
    Du machst es im Prinzip ja genauso.
    Im Montessorikindergarten hier machen sie das mit der Hand auf der Schulter auch, da habe ich mir das abgeguckt.

  7. Anna on 19. April 2017 at 10:12 geschrieben

    …total super, wie du trotz deiner Wut reagiert hast! Ich kenne es zu gut und seltsamerweise gibt es ja auch immer genau dann etwas ganz Wichtiges zu sagen, wenn man telefoniert 😉 Ich habe bei sowas leider recht wenig Geduld und hätte nach dem Telefonat wahrscheinlich geschimpft und meiner Wut Luft gemacht…aber so wie du es gelöst hast, ist es natürlich für alle viel besser: kein Herzklopfen mehr, kein beleidigtes Kind und kein schlechtes Gewissen danach, weil man gemotzt hat. Ich bewundere solch schönen, kreativen Umgang mit anstrengenden Situationen: Hände drücken – voll süß! 😉

  8. Petra on 26. April 2017 at 12:54 geschrieben

    Hallo,
    ja das kennen wohl alle mit Kindern. Meine Großen sind schon 15 und 13, kommen in ein Zimmer und reden quasi schon in der Tür los. Mitunter müssen wir (Erwachsene ins Gespräch vertieft) dann laut rufen, dass wir gerade reden. Tja, die Kleinen verstehen selbst das nur schlecht (also akustisch schon, aber inhaltlich…)
    Deine Methode scheint hilfreich, das probier ich mal.
    Bei mir hat manchmal geholfen, stumm auf ein Spielzeug zu zeigen und dann schnell den Raum zu wechseln. Aber eben nicht immer, dann kam der kleine Zuhörer und Dazwischenrufer erst recht hinterher.
    Aber schön, dass es überall gleich ist

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