Dienstags-Diskussion: Mit Söhnen auf gleiche Art wie mit Töchtern sprechen

Jun
20/17

Auf dem Onlineauftritt der New York Times entdeckte ich vor ein paar Tagen einen spannenden Artikel. Ein Journalist beschrieb, wie unterschiedlich Mütter und Väter mit ihren Töchtern und Söhnen sprechen würden und konnte dieses auch mit diversen Studien belegen. Mütter benutzten danach viel mehr emotionale Wörter und würden überhaupt viel mehr mit ihren vierjährigen Töchtern über Gefühle sprechen als mit ihren gleichaltrigen Söhnen…
Söhne fördern, Jungs,
Väter dagegen, belege eine frische Studie aus 2017, würden mit ihren Töchtern nachweislich mehr singen und sie häufiger anlächeln als ihre Söhne. Eine weitere Studie belege, dass Mütter wie Väter nach einer behandelten Verletzung ihrer Kinder im Krankenhaus auf sehr unterschiedliche Art und Weise mit ihren Töchtern und Söhnen redeten. Mädchen würden länger getröstet werden – es würde ihnen aber auch viel öfter nahegelegt, die Sache bei der sie sich verletzt haben in Zukunft nicht wieder zu tun und doch auf jeden Fall vorsichtiger zu sein.

Auch in Kinderbüchern gebe es laut Artikel nur selten Väter, die ihren Söhnen ganz klar mit Worten ihre Zuneigung zeigten, wenn, dann würde das mehr nebenbei und durch Gesten erfolgen, lustiges Hochwerfen und Auffangen oder eine gemeinsame Aktivität. (Ein im Artikel genanntes positives Gegenbeispiel ist übrigens „Weißt du eigentlich, wie lieb ich dich habe“!)

Ich muss seither viel über dieses Thema nachdenken. Spreche ich mit meinen Jungs anders, als ich es mit Mädchen tun würde? Es ist nicht leicht für mich zu beurteilen, da ich ja nur Söhne habe. Tatsächlich haben wir, André genau wie ich, eine eher unspektakuläre Art, mit kleinen Verletzungen umzugehen. Sprich, wenn jemand stolpert oder sich stößt warten wir erst mal ab. Manchmal, eigentlich sehr oft, wird dann einfach wieder aufgestanden und weitergelaufen. Natürlich gehen wir hin, wenn geweint wird. Meistens ist es mit einmal in den Arm nehmen, kurzen tröstenden Worten und einem „Puste-Kuss“ wieder gut. Wir schleppen keine Globuli, keine Kühlkissen an und versuchen ganz ruhig zu bleiben. Manchmal, bei großen Kratzern oder dunklen Flecken braucht es noch eine Kuscheleinheit, dabei wird aber meist schon über etwas anderes geredet.

Jetzt frage ich mich, würde ich das mit einer Tochter anders machen? Gerade letztens bei Freunden, war ich überrascht auf welche aufwendige Art und Weise und wie leidenschaftlich dort die Tochter nach einem kleinen Sturz getröstet wurde. Sie war allerdings auch total aufgelöst und schrie und wimmerte noch lange Zeit danach. Das kenne ich von meinen Söhnen weniger. Ich habe mich aber in dem Moment schon kurz gefragt, ob ich vielleicht zu wenig tröste? Ob ich zu nüchtern, zu leidenschaftslos, zu wenig anteilnehmend bin… Und: Ob ich das vielleicht anders mache, weil ich eben Söhne habe? Oder weil ich mehrere Kinder habe? Oder weil ich einfach ein anderer Typ bin…?

Ich – und ich denke wir alle, wünschen uns Männer und Partner, Freunde und Brüder die über ihre Gefühle sprechen können, die unsere Gefühle ernst nehmen und hinterfragen, die gefühlvoll mit sich und anderen umgehen und die Augen für das Schöne haben. (Genau wie wir uns lebensmutige und selbstbewusste Frauen und Freundinnen und Partnerinnen wünschen!) Wie dramatisch wäre es dann, wenn wir als Mütter (und Väter) in der Kindheit nicht die Basis dafür schafften. Wenn wir unseren Söhnen keine Gefühle zugestehen, überhaupt viel weniger mit ihnen reden würden?

Wenn ich darüber nachdenke, kann ich sagen, dass ich mit meinen Jungs zum Glück sehr viel über Gefühle spreche und zwar ganz selbstverständlich und ohne dass ich mir darüber bisher Gedanken gemacht habe. André glücklicherweise auch. „Die haben dich nicht mitspielen lassen? Wie doof! Beschreib doch mal, wie sich das angefühlt hat!“, habe ich schon häufig gesagt. Oder: „Davor hast du Angst? Das ist okay. Magst du erklären, warum dir das Angst macht?“

Interessant: Auf einem Ausflug mit Freunden habe ich meinen Söhnen vor einer Weile ganz selbstverständlich die Blüten an einem Busch gezeigt und sie auf ihre Schönheit aufmerksam gemacht. Einer unserer Freunde meinte dazu: „Das sind Jungs, die kümmern sich doch nicht um Blüten.“ Bevor ich etwas sagen konnte, fragte mein Großer, ob er eine Blüte mitnehmen und pressen dürfe, für sein Herbarium, weil sie so schön seien…

Und ihr? Habt ihr das Gefühl, ihr redet mit euren Töchtern anders als mit euren Söhnen? Und redet ihr mit euern Söhnen über Gefühle? Über das Schöne? Erzählt doch mal, ich bin gespannt…

Alles Liebe,

15 Kommentar zu “Dienstags-Diskussion: Mit Söhnen auf gleiche Art wie mit Töchtern sprechen

  1. hanna on 20. Juni 2017 at 09:27 geschrieben

    hallo claudi,
    eine interessante anregung zum nachdenken! ich bin ein klitzekleines bisschen stolz wenn ich behaupte meinen kindern primär als kind und nicht geschlechtsspezifisch zu begegnen. mein sohn (5 jahre) ist viel emotionaler und empfindlicher als meine mittlere tochter (3 jahre) und sie gehen völlig anders mit z.b. schmerz (körperlich und seelisch) um. das wichtigste denke ich, ist immer offen zu bleiben und die wahren bedürfnisse wahrzunehmen und dann zu reagieren. das trösten nach einem sturz, dehnen liebeshungrige kinder ja gerne aus, daran merkt man dann vielleicht auch, dass die volle aufmerksamkeit und körperliche zuwendung vorher schon gefehlt hat. ein guter grund noch mehr kuscheleinheiten im alltag einzubauen, damit kleine verletzungen nicht schlimmer werden als sie sind. und blumen und bagger sind für alle kinder toll, das sollten erwachsene doch respektieren und nicht einseitig durch ihre reaktionen den kindern anders beibringen. die welt ist so gross und schön, es ist schade wenn man nur auf grund des geschlechts nur von der hälfte fasziniert sein dürfte.
    und wenn man mich fragt, wär die welt ein grosses stück besser, wenn jungs und männer mehr und länger körperliche nähe geniessen dürften und nicht „nur“ von der mama.
    sorry für den erguss 🙂

  2. Susie on 20. Juni 2017 at 10:07 geschrieben

    Liebe Claudi,

    was für ein tolles Thema für eine Dienstagsdiskussion!
    Ich selbst habe nur Mädels, geh aber ähnlich mit uhnen wie du das mit deinen Jungs beschrieben hast.
    Wir warten bei Stürzen oder kleineren Wehwehchen auch erst mal ab wie die Mädchen reagieren. Warum was auf bauschen, was sich mit einmal Staub abklopfen erledigt hat. Sind aber trotzdem immer mit offenen Ohren und Armen für unsere Kinder da.
    Ich glaube es ist auch viel Einstellungssache der Eltern wie man mit seinen Kindern umgeht, egal ob Junge oder Mädchen.

    Ganz liebe Grüße in die Heimat und dir ganz viel Entspannung für den Endspurt 🙂

  3. Sina on 20. Juni 2017 at 12:14 geschrieben

    Da bin ich ganz auf eurer Linie – erstmal abwarten bei Stürzen etc. und sich v. a. zurückhalten mit besorgten Nachfragen! Letzteres ist manchmal gar nicht so leicht, wenn der Sturz heftig aussieht, das Kind sich aber kaum drum kümmert.
    Unterschiede in den Gesprächen über Gefühle mit beiden Kindern gibt es natürlich, aber ich würde die eher auf den Charakter der Kinder als auf ihr Geschlecht zurückführen.
    Seit unsere Tochter im Kindergarten ist, stellen wir allerdings auffallende Veränderungen fest: sie „jammert“ mehr bei kleinen Anlässen, erhebt sofort die Stimme, wenn irgendwas passiert, und natürlich gibt’s nun auch viel die übliche Zweiteilung in Mädchen- und Jungs-Farben und -Spiele. Mein Verdacht ist, dass Mädchen in Kitas immer noch gechlechterrollen-spezifischer erzogen werden als Jungs – bei unserem Sohn haben wir in der Hinsicht nämlich kaum Veränderungen bemerkt als er in den Kindergarten kam. Ich finde es seltsam, wenn meine Kleine morgens von den Erzieherinnen z. B. als erstes auf ihr hübsches Kleid und ihre niedlichen Zöpfe angesprochen wird – oder sie müssten anfangen, den Jungs auch Komplimente für ihre Outfits zu machen!

  4. Maggi on 20. Juni 2017 at 14:14 geschrieben

    Ich habe zwei Jungs und jetzt ein Baby-mädchen und ich sage sehr oft, wenn es schnell gehen muss „er“. Nimm ihn mal, er muss noch ein Bäuerchen machen. Auch das Baby im Bauch habe ich oft mit ‚er‘ angesprochen. Ich muss mich da wohl noch umgewöhnen. Es war aber immer ähnlich zärtlich.
    Und als ich erzählt habe, dass wir ein Mädchen bekommen, sagten 98% der Leute, dass ich nun endlich eine Prinzessin bekäme. Und mit der spricht „man“ anders als mit einem Lausbub. Die Stereotypen sind noch sehr weit verbreitet.
    Mein Großer ist sehr sensibel, aber trotz allem, gibt er nach Aussen hin den starken.
    Echt schwierig das ganze Jungs/Mädchen-Ding.

  5. Michaela on 20. Juni 2017 at 14:23 geschrieben

    Sehr interessanter Denkanstoß, wie so häufig bei dir!
    Wir haben auch drei Söhne und ich komme nicht nur deshalb öfter hier vorbei;), bisher allerdings stumm…

    Ich habe mir schon viele Gedanken darüber gemacht, wie es hier zuhause wohl wäre, wenn wir auch eine oder mehrere Töchter hätten. Ob es ruhiger wäre, wir anders miteinander umgehen würden, ob auch die Power meiner Jungs (anderthalb, dreieinhalb und fünf) mich selbst in irgendeiner Form (positiv? Negativ? Oder neutral?) beeinflusst.

    Aber ja. Auch unsere Jungs (die übrigens seit drei Monaten nicht mehr in den Kindergarten gehen – aber das ist eine andere Geschichte ;)) haben Sinn für Schönes. Vor allem der Mittlere. Er sammelt regelmäßig kleine Tierchen, Schmetterlinge, Schneckenhäuser, Blumen, usw. Ich finde es sehr wichtig, dass wir das Schöne um uns herum bemerken, bewundern, bestaunen und respektvoll damit umgehen… Mal stehen bleiben, um die Schönheit einer Blüte zu bestaunen oder um zu sehen, wie ein Schmetterling Nektar sammelt, das passiert bei uns regelmäßig. Dennoch bemerke ich, dass das Interesse nicht gleichermaßen vorhanden ist und der Große andere Dinge faszinierender findet – was ja völlig normal und legitim ist. Und einfach nur interessant!

    Was das Trösten angeht, machen wir das witzigerweise ähnlich wie ihr. Mein Mann ist Franzose und ich musste mir schon einige Male meine Tränen herunterschlucken, wenn ich gesehen habe, wie den Kindern in Frankreich (aber auch hier in Deutschland immer wieder) die Gefühle ausgeredet werden, à la „Ist gar nicht schlimm, hat nicht weh getan, du musst doch nicht weinen, jetzt sei ein großer Junge / ein großes Mädchen!!!“ Ach so, dürfen große Kinder (= Erwachsene) ihre Gefühle nicht äußern? muss da doch als Message bei den Kleinen durchkommen…
    Wenn die Tränen JETZT fließen wollen, dann sollen sie es! Damit ist die Sache auch bei uns immer relativ schnell erledigt (und womöglich staut sich auch nichts an, was doch wunderbar wäre!) und sie halten doch erstaunlich viel aus (große Brandblase nach einem Grillabend an der Fußsole, usw.) Also, dass sie davon wehleidig werden, kann ich nicht bestätigen…
    Was gibt es schöneres für uns Eltern, wenn wir da sein können für unsere Kinder in den Momenten, in denen sie uns am allermeisten brauchen…? Dennoch: immer gleich rennen muss auch nicht sein, aber ernst nehmen, das denke ich, ist ein Geschenk für unsere Kinder – egal ob Junge oder Mädchen. (Jedenfalls habe ich da noch keinen Unterschied festgestellt…)

    Dass Väter ihre Töchter mehr anlächeln sollen, triggert was bei mir, als Mama-ohne-Tochter, dass muss ich schon zugeben. Obwohl mein Mann ein wunderbares Verhältnis hat zu seinen Söhnen, wie ich finde, obwohl sie sich recht wenig sehen…

    Aber was die Aktivitäten angeht, gibt es ganz bestimmt Unterschiede – oder?

    Du bastelst mit deinen Jungs. Wie wunderbar! Meine sind da nicht soooo begeistert von, bisher (aber vielleicht kaufe ich mir mal dein Buch?;), aber wir werden jetzt regelmäßig in eine Keramikwerkstatt gehen und in ein Malatelier.
    Malen ist bisher nicht so wichtig.
    Ja, das fehlt mir schon und ich frag mich immer wieder, wie das genau bei euch ist/ ob DU bastelst und sie dann dazu kommen und ein bisschen mitmachen oder ob die Initiative von ihnen kommt? Und malen sie auch gerne? Habt ihr eine Bastelecke? Kommen sie selbstständig an die Bastelsachen ran?

    Würde mich freuen, wenn du darüber mal bisschen plauschen könntest ;))

    Und Ketten/Schmuck machen. Begeisterung für Pferde. Usw. Einige Dinge fehlen mir schon, muss ich sagen, auch wenn ich das Glück, dass auch ihren Augen strahlt, in mich aufsaugen kann, wenn wir eine halbe Stunde an einer Baustelle stehen bleiben ;)) …

    Lange Rede kurzer Sinn:
    Ich finde, es gibt keinen Grund dafür, mit unseren Jungs nicht genauso gefühlvoll umzugehen oder mit ihnen über Gefühle zu reden. Im Gegenteil: Es scheint mir unheimlich wichtig, damit endlich eine Gesellschaft kann, in der die Männer diese wertvollen Qualtitäten genauso besitzen und leben können, wie die Frauen. Was für ein Traum!

    LG aus Freiburg
    von Michaela

  6. Denise on 20. Juni 2017 at 16:35 geschrieben

    Hallo zusammen,

    ich habe die gleiche Studie gelesen. Ich kann zumindest soweit gehen, dass mir auch bei „aufgeklärten Eltern“ immer wieder auffällt, dass Jungs nur Bagger, Eisenbahnen und Bauklötze geschenkt bekommen und selten eine Puppe etc. Meist bekommt man dann die Aussage, der Kleine würde ohnehin nicht damit spielen, da er sich schon um seinen Teddy nicht kümmert. In dem Fall kann ich nur sagen, wenn das Angebot und die Offenheit der Eltern nicht wirklich da ist, bleibt halt alles beim alten.
    Meine zwei sind mit 4 und 2 noch recht gender neutral, aber sie haben schon ihre individuellen Vorlieben. Mein Jüngster verkleidet sich mit viel Enthusiasmus als Ballerina oder Prinzessin und hat keine Probleme sich in voller Verkleidung auf das Feuerwehrauto zu schwingen und Brände zu löschen. Das liegt sicherlich an seiner großer Schwester und vielleicht auch daran, dass wir beim Spielen lieber der Fantasie freien lauf lassen und nicht zu viel kommentieren. Immerhin sollen die Kinder sich ausleben. 🙂

  7. Also ich bin relativ überzeugt, dass ich mit meinem Sohn und meiner Tochter gleich „spreche“. Sie gleich tröste oder ermuntere und zwar weil ich selbst mal auf die Idee kam darauf zu achten. Ich habe mich zwar manchmal gefragt, wie meine Gespräche übers das (zukünftige) Baby gewesen wären, wenn mein Kleiner der Erstgeborene gewesen wäre (wohl doch etwas anders, einfach weil er ein andere Typ ist), aber ich kann nicht behaupten, dass ich mit meinem Jungen nicht über Gefühle oder dergleichen spreche. Bei deiner Blumengeschichte musste ich lächeln. Das hätte sich auch bei uns abspielen können. Ich „knutsche“ meine Kinder übrigens auch gleich viel oder streichel ihnen über den Kopf (einer alleine könnte „die Menge“ auch gar nicht aushalten. 😉 Ich darf gar nicht daran denken, dass ich irgendwann nicht mehr darf).
    Liebe Grüße
    Jutta

  8. Christina on 20. Juni 2017 at 21:24 geschrieben

    Hallo in die Runde!
    Wir haben hier gerade heute einen großen Zusammenstoß mit Fahrrädern gehabt. Mein Sohn und die jüngste Tochter krachten zusammen, dass es nur so schepperte. Beide sind ordentlich lädiert und ich habe versucht, so gut es geht auf beide gleichermaßen einzugehen.
    Ich finde es sehr wichtig die Gefühle und Empfindungen der Kinder ernst zu nehmen und darauf einzugehen, ohne sie unnötig in eine Situation hineinzusteigern. Wenn es weh tut, tut es weh! Das nehme ich egal bei welchem Geschlecht ernst und ich glaube für die Kinder ist es eine Unterstützung, wenn sie gespiegelt bekommen, wie sie ihren Körper gerade wahrnehmen. Sie können ihre Empfindungen dann in neuen ähnlichen Situationen eher einschätzen.
    Ich finde es auch wichtig sie für die Empfindungen anderer zu sensibilisieren. „Da weint jemand, vielleicht kannst du ihn/sie trösten/ablenken etc.“ Das tun alle drei gerne und wie ich finde auch gut!
    Was mir aber auffällt, ist, dass ich in verschiedenen Situationen überlege, wem kann ich jetzt eher zumuten, dass er/sie noch weiter weint, alleine aufs Klo geht, alleine einschläft, wartet…
    Und das läuft dann meist auf das ältere Kind hinaus.
    Das kann glaube ich sehr belastend sein, weil es eben oft auch unfair ist. Aber ich kann mich nun mal nicht zerteilen.
    Da nagt des Öfteren das schlechte Gewissen an mir und ich habe dafür noch keine rechte Lösung gefunden, außer mit jedem Kind auch mal eine Extrakuschelrunde oder Lesezeit oder so etwas einzubauen.
    Von Genderneutralität sind wir hier aber leider weit entfernt. Zwar spielen alle gleichermaßen gern mit Autos, Eisenbahn, Puppen und Küche, aber der Sohn ist sehr auf Superhelden, Bagger und Feuerwehr fixiert. Ich möchte es gerne auf die Peergroup Kita schieben, aber ehrlich gesagt schlage ich ihm häufig morgens vor, das Spiderman Shirt anzuziehen, weil ich weiß, dass er es mag und das dann oft widerstandslos angezogen wird… und eine Puppe haben wir ihm auch nie geschenkt… Den Mädchen aber durchaus Autos, Eisenbahnzubehör und ermuntern sie auch auf Bäume zu klettern und Fußball zu spielen usw. Ich würde dem Jungen aber nie vorschlagen zum Balett zu gehen. Also Mädchen die Jungssachen machen und mögen sind toll, aber Jungs im Tütü werden doch ehre belächelt. Oder?
    Viele Grüße Christina

  9. Sharon on 21. Juni 2017 at 07:03 geschrieben

    Eine sehr interessante Diskussion!

    Ich denke ja das kommt auch nochmal auf die Persönlichkeit der Eltern an und darauf wie sie früher getröstet bzw. nicht getröstet wurden…

    Ich habe 3 Mädels und bin auch eher der Typ „Ist doch nicht so schlimm“ und finde ja das ganze Gehätschel und Getätschel macht die Sache dann vielleicht doch schlimmer als sie ist und fördert das ausgiebige Gebrüll und Geweine vielleicht. (Sorry habe keine passende Worte gefunden um es sanfter Auszudrücken ;-))

    Ansonsten lasse ich meine Mädels auch (meistens) machen was sie wollen, Anziehen was sie wollen und fördere sie hingehend ihrer Selbstständigkeit. Fühle mich manchmal schon als Rabenmutter, wenn ich sehe wie oft andere Eltern ihren Kindern vorlesen oder Unternehmungen mit ihnen machen. Meine Kinder haben sich schon ganz früh alleine beschäftigt und ich hatte keine Grund dafür irgendwie einzuschreiten. Wir haben einen großen Garten mit diversen Spielmöglichkeiten und verbingen die meiste Zeit auch dort.
    Vorgelesen habe ich vielleicht so 1-2- Mal im Monat und seitdem die beiden Großen auch Lesen können, lesen die immer der Kleinen vor. Ich muss quasi nur noch für sie putzen, waschen und Wäsche waschen 😉

    Ist jetzt vielleicht ein bisschen ausgeartet mit dem Vermerk „Thema-Verfehlung“, aber ich finde es genau so richtig wie es ist bei uns, auch wenn es den Anschein hat das ich keine Vollblut-Mutter bin, wenn sie mich brauchen bin ich dennoch da 🙂

    LG, Sharon

    • Claudia on 21. Juni 2017 at 09:58 geschrieben

      Liebe Sharon, für mich klingt das fantastisch! Ich lasse meine Kinder auch ganz viel ihr Ding machen. Und denke, dabei lernen sie am meisten.
      Ganz liebe Grüße!
      Claudi

  10. Katharina on 21. Juni 2017 at 09:08 geschrieben

    Mmh ein wirklich interessantes Thema. Ich muss gestehen da habe ich nie drauf geachtet. Wir haben zwei Jungs (3 und 6), beide sehr unterschiedlich. Unser Großer ist ein sehr empathisch, herzlicher Mensch, der sehr früh schon seine Gefühle einschätzen und benennen konnte. Der Kleine ist ein Wirbelwind. Da geht es imMo nur mit dem Kopf durch die Wand. Beide sind sehr verkuschelt und werden je nach Bedarf getröstet. Der Kleine lebt meist nach dem Motto hinfallen, Dreck abklopfen, weiter machen. Der Große genießt auch mal bei kleineren Plässuren extra Kuscheleinheiten. Und kreativ sind beide. Wir gehen alle zusammen gern in Museen. Letztens war wir in einer Ausstellung von Emil Nolde und beide fanden es großartig. Vielleicht muss man es einfach mal ausprobieren, auch gegen anfängliches Meckern.
    Ich weiß nicht, ob ich mit einer Tochter anders umgehen würde. Vielleicht nicht so viel raufen? Aber ich hab mir nie was anderes gewünscht.

    Viele Grüße
    Kathy

    • Claudia on 21. Juni 2017 at 09:57 geschrieben

      Liebe Kathy, auf jeden Fall ausprobieren, trotz Meckern, das denke ich auch. Und hinterher sind dann oft doch alle begeistert.
      Ganz liebe Grüße,
      Claudi

  11. Anika on 21. Juni 2017 at 16:50 geschrieben

    Hallo Claudi,

    ich lese deinen Blog seit letztem Winter und bin so froh, dass es noch normale Familien gibt, wo nicht alles nur nach den Kindern ausgerichtet wird.

    Wir haben vier Kinder, diese habe ich innerhalb von sechs Jahren bekommen, so dass sie teilweise sehr eng aufeinander sind. Es gab megastressige Zeiten in denen ich nicht mehr klar denken konnte und sämtliche Sachen beim einkaufen und Termine verbummelt habe. Mittlerweile ist unser kleinster vier und nach einer Frühgeburt und schwieriger Zeit auf der Intensivstation stabil gesund. Die grossen Kinder mussten bei uns immer zusammen etwas mit sich anfangen, dafür hat man doch Geschwister. Um zum Thema zurückzukommen, ich behandle unser Mädchen und unsere drei Jungs nicht unterschiedlich. Da als erstes unsere Tochter geboren wurde, waren Puppen etc. im Haus und unser erster Sohn ist nur 16 Monate jünger, für ihn war es das schönste mit dem Mädel Familie zu spielen. Unsere Tochter ist nie in einer jammernden Phase gewesen, sie war immer schon sehr resilient und risikofroh und hat auch etliche Verletzungen in ihren 11 Jahren davon getragen. Als Eltern haben wir da aber nie überreagiert und einfach und ruhig die erforderlichen Maßnahmen ergriffen. Unsere Söhne sind noch ein wenig robuster, lediglich unser zweitgeborener hat zwei schwere Unfälle hinbekommen, bei denen ich nicht mehr so ruhig war und sehr rumgetüddelt habe. Ansonsten werden hier alle gleich behandelt, auch die Jungs dürfen weinen und ihre Sorgen und Ängste mitteilen. Alles bekamen/bekommen vorgelesen und vorgesungen, jeden Abend. Und genauso erziehen wir unsere Tochter dazu ihre Meinung zu sagen und wissensdurstig in die Welt zu ziehen. Sie ist so ein kleiner Leitwolf, die gerne anderen Leuten hilft und alles im Griff hat. Selbst als ich mit Krankenwagen und großem brimborium am zweiten Schultag meiner Tochter ins Krankenhaus musste, hat sie hier alles gemanagt und meiner Freundin gesagt, was der Bruder für den Kindergarten und der kleine frische Windeln etc. braucht. Es ist sehr wichtig, dass die Kinder in alle Richtungen handeln können und dürfen und auf keinen Fall in Schubladen gesteckt werden.

    Du machst das ganz wunderbar! Liebe Grüße und eine wunderschöne Geburt in der nächsten Zeit!

  12. Inken on 23. Juni 2017 at 22:10 geschrieben

    Von dem, was man bei dir hier auf der Seite sieht (und auch in Natura, ich hab euch neulich im Wehbers Park bei einer Geburtstagsparty gesehen), würde ich sagen, ihr macht das super! Ich selber habe zwei Mädchen, kann also nicht mitreden, ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass ich mit einem Jungen anders reden oder ihn weniger kuscheln und küssen würde als die Mädels.
    Ich wäre auch davon ausgegangen, dass das bei den meisten Familien so ist, wobei ich heute bei Hagenbeck eine Mutter erlebt habe, wo ich doch sehr verwundert war und an mich halten musste, nichts zu sagen (sie war mit einer Freundin unterwegs, da hab ich mich nicht getraut, eine Diskussion vom Zaun zu brechen). Ihr 1,5-2 jähriger Sohn stolperte beim Spielen, fiel hin (absolut nicht schlimm) und fing an zu jaulen. Kommentar der Mutter: „Ach komm, steh auf. Du bist doch ein Junge!“ ??? Was hat denn das eine mit dem anderen zu tun? Argh, ich könnte mich schon wieder aufregen, aber das sind dann wohl die Eltern, von denen die Studie berichtet. Wie dem auch sei, ich finde deine Jungs machen einen sehr gut geratenen Eindruck und würde mir keine Sorgen machen, dass du ein Mädchen anders behandeln würdest.
    Ganz liebe Grüße aus der Stadt,
    Inken

    • Claudia on 24. Juni 2017 at 08:36 geschrieben

      Liebe Inken, echt, das ist ja lustig. Nächstes mal sagst du aber Hallo, okay?
      Danke dir und liebe Grüße,
      Claudi

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