Dienstags-Diskussion: Extrawurst zum Essen?

Jun
21/16

Typische Szene bei uns gegen Abend: Ich putze Salat, das Nudelwasser kocht – noch eine Viertelstunde und wir können essen. Meine Kinder: kommen vom Toben hereingerannt und brüllen sofort. Wie die Löwen: Huuuungeeeeeer…!
Kinder und Essen, Kochen für Kinder
„Essen ist gleich fertig“, sage ich und schubse die Nudeln rein. Die Löwen brüllen weiter. Knurren, fauchen, packen mit den kleinen, kräftigen Pfoten mein Bein und lassen nicht mehr los. Maulen: „Wir haben soooo einen Hunger. Können wir ein Brot?“ Ich rühre die Nudeln um, sage: „Nein, wir essen gleich.“ Die Löwen lassen nicht locker: „Aber Mama, eine Banane? Bitte! Ein paar Erdbeeren?“

Eine Viertelstunde später am Esstisch, dampfende Nudeln, duftende Gemüsesoße, knackiger Salat. Die Löwen knurren: „Bäh, mag ich nicht. Kann ich mir ein Brot machen?“ Manchmal auch glatt: „Darf ich ein Eis?“ Ich stöhne. Und ich frage mich: Extrawurst zum Abendbrot? Ja oder Nein?

Bevor ich Kinder hatte, hätte ich gesagt: Niemals. Auf gar keinen Fall. Was auf den Tisch kommt, wird gegessen. Und bitte nur am Tisch. Und maximal eine Stunde vor dem Essen überhaupt nichts mehr. Seit ich Kinder habe, denke ich genauso. Möchte aber abends gern in Ruhe kochen. Und essen. Wie sagen die Amerikaner: „Pick your fights!“ Ein Sprichwort, das zu einem meiner liebsten Erziehungsmantras geworden ist.

Was das Abendessen betrifft, mache ich es meistens so: Wenn der Hunger so groß ist, das Essen aber noch nicht fertig sind eine Banane oder ein Apfel oder jetzt im Sommer eine Schale Erdbeeren erlaubt. Immer. Warum nicht denke ich, wenn ich genau darüber nachdenke. Ich will doch, dass meine Kinder Obst essen. Reichlich. Wieso sollten sie damit nicht schon mal vor dem Essen den Bauch ein wenig füllen? Um dann die langen zehn Minuten bis zum Essen ohne Knurren durchzuhalten. Nur eins ist klar: Obst oder Gemüse – etwas anderes gibt es nicht vorher. Das wissen die Löwenkinder hier aber auch schon ganz genau und fragen in der Regel gar nicht mehr danach.

Beim Essen finde ich das Abwegen schwieriger. Ich bin überhaupt kein Freund von Extrawürsten. Aber ich weiß noch, wie ich früher im Kindergarten manchmal braune Soße essen musste, die ich gehasst habe. Wir halten es mit Magichnichts so: Es wird möglichst alles probiert. Danach entscheiden die Kinder, was und wie viel sie essen wollen. Aber: Extrawürste gibt es nicht. Es gibt Tage, da essen die Kinder bloß Beilage. Dann mögen sie plötzlich wieder die Soße, die sie in der Woche davor nicht mochten. Übrigens habe ich das Gefühl, sie mögen sie immer dann doch, wenn wir Eltern überhaupt keine Thema aus dem Nichtmögen gemacht haben. In absoluten Ausnahmen, zum Beispiel wenn es Milchreis gibt, den mein mittlerer Sohn überhaupt nicht, wir anderen aber sehr mögen, darf ER sich selbst ein Butterbrot machen. Ein Butterbrot, nichts anderes.

Und wie ist das bei euch? Bite kommentiert gern eure Meinung und Esstricks.

Ganz liebe Grüße,

17 Kommentar zu “Dienstags-Diskussion: Extrawurst zum Essen?

  1. Nadine (@fraeuleincathy) on 21. Juni 2016 at 10:31 geschrieben

    Liebe Claudi,
    da geht es mir so wie Dir. Früher dachte ich auch, es gibt keine Extrawürste. Inzwischen handhabe ich es so wie Du, Obst und Gemüse ist vor dem Essen erlaubt, das Wundermädchen isst auch schonmal ihre Reste vom Kindergartenvesper, das finde ich ok.
    Mit den Extrawürsten ist es so eine Sache… Es soll probiert werden, wenn es gar nicht schmeckt, dann werden halt nur Beilagen gegessen oder ein Butterbrot. Ich versuche gerade unsere Speisen ein bisschen umzustellen, gesünder zu kochen… Da ist es oft sehr schwierig, weil das Wundermädchen nichts isst, was sie nicht kennt… Obwohl sie isst auch viel nicht, was sie kennt ;-). Der Wunderknabe isst zum Glück noch fast alles.
    Ich finde es schwierig, nicht immer wieder in die Falle zu tappen, und nur das zu kochen, was die Kinder mögen. Aber manchmal gibt es einfach so ne Woche, da will ich es mir auch nicht so schwer machen;-).
    Ganz liebe Grüße, Nadine

  2. Lina on 21. Juni 2016 at 10:36 geschrieben

    Puh, schwieriges Thema. Mein Kind fängt jetzt erst an zu „mäkeln“. Es gefällt ihm zu sagen:“Das mag ich überhaupt nicht.“ (Ich glaube er hat es von Lotta aus der Krachmacherstrasse:-)!) Butterbrot ginge immer, ich finde Extrawürste aber auch nicht gut. Nudeln ohne Soße oder nur Beilagen oder Gemüse raus picken und liegen lassen, weil es einem nicht schmeckt, finde ich aber in Ordnung.
    Wenn mein Sohn dann mal nichts isst / essen möchte, ist das für mich auch ok. Verhungern wird / muss er nicht;-).
    Je größer die Familie ist, desto mehr muss wahrscheinlich ausgelotet werden, wer was wie gerne mag. Oder? Und es gibt immer Dinge die der eine liebt und der andere eben nicht.

  3. Dorli on 21. Juni 2016 at 10:51 geschrieben

    Liebe Claudi,
    das treibt mich auch um. Mein Sohn ist so alt wie dein Tjelle und es macht mich schier wahnsinnig, dass er überhaupt nicht vom Tisch mit isst. Außer Winerwürstchen/ Bratwürstchen oder Suppe möchte er sich den ganzen Tag von Obst ernähren. Da hilft auch kein großer Hunger. Selbst wenn der Magen knurrt, wenn die Kartoffeln oder der Fisch als komisch befunden werden, wirds nicht gegessen. Ich kann doch am Wochenende nicht immer nur von Bratwurst und Buchstabensuppe leben!
    Viele Grüße, Dorli

  4. Hallo Claudi,

    bei uns gibt es auch eine Banane oder eine Karotte wenn man es bis zum Abendessen nicht mehr aushält. Und die Geschmäcker beim Essen bewegen sich in Phasen habe ich festgestellt. Unsere Große hält gerade an ihren Lieblingsgerichten fest während die Kleine momentan sehr experimentierfreudig ist und viel ausprobieren möchte. Dafür interessiert sich unsere Große jetzt sehr für das Kochen selber und möchte immer mit am Herd stehen und am liebsten alles selber machen.

    Sitzen die Nachbarskinder oder Freunde mit beim Essen, dann beschwert sich auch keiner über das Essen sondern alle lassen es sich gemeinsam schmecken. Und mir geht es selber ja auch so, ich brenne einige Wochen/Monate lang für ein paar Gerichte und dann habe ich mich satt gegessen und gesehen und möchte wieder etwas anderes ausprobieren. Ein Hoch auf die Abwechslung!

    Ganz liebe Grüße in den Norden,
    Ann-Cathrin

  5. Jessica on 21. Juni 2016 at 11:19 geschrieben

    Hallo Claudi,
    also bei uns ist es ähnlich. Allerdings hatte ich gestern die letzten fünf bis zehn Minuten meinen lautstark schimpfenden Einjährigen auf dem Arm, der gerne die Würstchen schon gehabt hätte, bevor sie in die Pfanne wanderten. Leider hat er eine so starke Meinung, dass er sämtliche Bananen- oder Reiskeks-Angebote mir aus den Händen schlägt und weiter nach den Würstchen brüllt. Das ist für uns alle anstrengend. Heute werde ich mal probieren ihm schon eine Stunde vor dem Abendbrot irgendwas anzubieten und dann versuchen zu verbergen, was ich so koche damit das Warten darauf nicht so schlimm ist.
    Was ich noch Fragen wollte. Ich verbringe in den Sommerferien (Kita-Schließzeit) drei Wochen mit meinen Kindern (Mädchen 3, Junge 1) hier zu Hause in Hamburg. Der Papa muss arbeiten und mir graut schon vor ewig langen Tagen, an denen nur der bis ins Detail erkundete Garten herhält. Du hast immer so schöne Ideen. Kannst du nochmal ein paar Sommerideen für drinnen oder draußen aufschreiben?
    LG Jessica

  6. Anja on 21. Juni 2016 at 11:26 geschrieben

    Oooooh ja. Paare das noch mit 3 VERSCHIEDENEN Nahrungsmittelallergien und du weißt, was hier läuft. Ich gehe allerdings erst dann in die Luft, wenn trotz Absprache (wöchentlich vorm Einkauf und Feinabstimmung über die Reihenfolge am Tag) was es gibt nach dem Tischdecken wieder neu gemault wird! Spontan-Extrawurst quasi. Und die dulde ich nicht mehr! Ich bin durchaus Diskussionsbereit aber alles hat irgendwann seine Grenzen! Beilage, Kitabrot oder Knusperbrot mit Butter oder Teewurst – das „Lauf selbst los“-Angebot … Während wir mit dem Essen warten. Und nicht selten essen die beiden doch, was auf dem Tisch steht, die kleinen „Ratten“ 😉

  7. Manja on 21. Juni 2016 at 14:30 geschrieben

    Wie mir der Satz ohne Verb bekannt vorkommt, musste gleich grinsen. Darf ich eine Banane? Darf ich ein Eis?
    Wir meckern eher über den unvollendeten Satz 🙂
    Aber im Vergleich sonst ähnlich bei uns. Brot wird von zweien verschmäht, die nehmen dann Rohkost. Und beim Warm-Essen wird dann Sosse oder ungeliebtes Gemüse ausgelassen.

  8. Stephi on 21. Juni 2016 at 14:51 geschrieben

    Ich finde auch, wemm der Hunger zu groß ist, kann schonmal was Gesundes sein. Aber Extrawürste gehen gar nicht. Da wir bisher nur ein Bonuskind jedes zweite Wochenende bei uns haben, wird das Essen aber eh hauptsächlich darauf abgestimmt, was er mag. Umso mehr ärgere ich mich dann aber über Mäkeleien. Und die sind im Moment besonders heftig: Plötzlich mag er keine Erbsen und Möhren mehr („Die hab ich nur gegessen, weil ich die bei Euch essen mußte“ – ist klar…), oder es gab schon zweimal Diskussionen über das Frühstücksei, obwohl er Eier total liebt. Konsequenz: Ich habe ihm am nächsten Morgen keins gekocht, uns Erwachsenen aber schon. Da gabs dann aber ein langes Gesicht!?! Und als es beim letzten Mal dann wieder kam, hab ich nur gesagt: Wir müssen Dir kein Ei mehr kochen… Das hat gereicht.
    Generell finde ich aber, es kann gegessen werden, was auf den Tisch kommt. Es sollte auch probiert werden. Aber wenn man irgendwas nicht mag, kann man es liegen lassen oder rauspuhlen, aber was anderes gibt es auch nicht.

  9. Kim on 21. Juni 2016 at 15:34 geschrieben

    Liebe Claudia,

    würde mich meine Tochter nach Obst fragen, würde ich Luftsprünge machen. Sie dürfte es sogar nachts um drei Uhr einfordern.
    Bei uns gibt es nämlich ausschließlich Extrawürste, da Madame nur Fleisch, Wurst, Käse, Nudeln, Kekse, Joghurt, Müsli und EIN EINZIGES Alete Gläschen isst.
    Es gab eine Zeit, zu der wenigstens noch Quetschbeutel mit Obstmus gegessen wurden. Die sind aber seit Monaten auch nur noch „BÄH“. ?

  10. Sina on 22. Juni 2016 at 09:25 geschrieben

    Hallo allerseits,
    hach ja, das Thema hat seine Tücken…
    Wir fahren in unserer Familie ganz gut damit, dass wir Eltern entscheiden, was auf dem Tisch steht und die Kinder entscheiden, was davon sie essen. Das ist für mich ok, ohne Ausnahmen. Ich erlaube auch wilde Kombinationen der aufgetischten Dinge; Geschmack ist nichts, woran ich herumerziehe und manches wird ja auch nur einmal ausprobiert.
    Die „Alles-wird-probiert-Regel“ hingegen, die sehr verbreitet ist, haben wir nicht. Mich haben die täglichen Diskussionen um die Durchsetzung dieser Regel zu sehr genervt und es schien (bei uns) nur ein weiterer Schauplatz für Machtkämpfe zu sein, den ich nun wirklich bei der gemeinsamen Mahlzeit nicht haben will. Es wird am Ende doch viel probiert – oder beim Nachschlag geht plötzlich das zuvor Verschmähte.
    Wer absolut nichts von dem mag, was auf dem Tisch steht, der kann eine Scheibe Brot haben, das machen wir genau so.
    Und vor dem Essen schon mal eine Schale Rohkost oder Obst hinzustellen, das mache ich auch oft, denn so wird das frische Grünzeug gegessen und es gibt weniger Gequengel.
    Schöne Grüße!

  11. Hallo zusammen,

    nur kein Streß wegen des Essens und beim Essen. Schön ist es, wenn Kinder alles probieren – müssen sie aber nicht. Das was auf dem Tisch steht gibt es. Wem’s nicht schmeckt, der darf sich selbst ein Butterbrot schmieren. Wer keinen Hunger hat muss nichts essen, danach gibt’s aber auch nichts anderes bis zur nächsten Mahlzeit.
    Kinder haben ein gutes Gespür dafür was ihr Körper braucht und das holen sie sich in aller Regel automatisch über das Essen, deshalb schmeckt auch mal das Eine und mal das Andere.

    Viel wichtiger finde ich es, dass die Kinder tatsächlich frei ihren Geschmackssinn entwickeln dürfen. Das geht am Besten mit vielseitigen und frischen Lebensmitteln die unverarbeitet in unsere Küche gelangen, also ohne (naja – oder wenig…) Convinience Produkte.

    Dazu nette Gespräche und eine relaxte Zeit, vielleicht mit ein paar Freunden, dann macht das Essen Spaß und ist ein zentraler Bestandteil und ein Ritual im Familienleben.

    • Martina on 25. Juni 2016 at 18:01 geschrieben

      Hallo Margit,
      ich finde ein Mensch sollte dann essen, wenn er Hunger hat und nicht, wenn ein anderer für ihn entscheidet, dass er jetzt essen muss. Kindern essen außerhalb der Familienmahlzeiten zu verweigern finde ich bedenklich. Das widerspricht auch dem „guten Gespür“, dass du Kindern zusprichst.
      Gruß Martina

  12. Martina on 24. Juni 2016 at 23:28 geschrieben

    Wieder mal ein post zu einem interessanten Thema liebe Claudi!
    Bei uns essen aktuell 2 von 3 Kindern mit, unsere jüngste hoffentlich auch bald. Ich versuche immer etwas aufzutischen, das allen schmeckt. D.h. für Vesper am Abend hole ich beim Metzger so ein, dass für jeden was dabei ist. Ebenso bei der Rohkost, die es zum vesper gibt. Wenn ich koche bin ich auch bereit die ein oder andere Komponente extra zu kochen, manchmal gibt es dann eben 2-3 Beilagen oder Gemüsesorten, ich habe damit kein Problem. Bei uns muss auch nicht probiert werden, gerade unsere mittlere (fast 4 Jahre) ist aber sehr probierfreudig. Wenn Kindern beim zubereiten und Tischdecken helfen lässt sich ja auch das naschen nicht vermeiden.

    Manchmal gabs sogar schon ein kleines Eis VOR dem Essen, gegessen haben die Kinder anschließend trotzdem.
    Wir sind also eher „locker“ was das angeht wenn ich so die Kommentare lese.
    Liebe Grüße Martina

  13. Alex on 26. Juli 2016 at 11:29 geschrieben

    Ich hatte diese Woche wieder einen Kampf mit meiner Tochter. Sie ist sehr mäckelig, wenn es nicht grad Spaghetti oder Pizza gibt.
    Ihr Bruder mag keine Spaghetti oder Pizza. Er verlangt nach Fischstäbchen, Currywurst, oder Maultaschen.
    Meine Vorstellung von gesunder Ernährung sieht anders aus.

    Wir sind keine begeisterten Köche, geben uns aber Mühe abwechslungsreich und mit frischen Produkten zu kochen. Es gibt also drei „Fronten“.
    Es ist frustrierend. Es soll ja auch Familien geben, in denen die Kinder tatsächlich essen.
    Ich erwarte nicht, dass Kinder alles essen, aber so kompliziert habe ich es mir nicht vorgestellt.
    Vielleicht setzen ich mich auch selbst zu sehr unter Druck eine Lösung zu finden.
    Eventuell macht mich auch jemand im Freundeskreis verrückt, indem Sie steif und fest behauptet, Essen sei Gewohnheit. Kann ja bei Ihrem inzwischen erwachsenen Sohn so ausgesehen haben.
    Ich habe das Gefühl, dass jedes Kind beim Essen genauso unterschiedlich ist wie beim Schlafverhalten oder anderen Dingen.
    Da bleibt es nur Regeln zu finden, die für unsere Familie passen.
    Danke für eure Einblicke, wie ihr es mit diesem Thema haltet.

    Liebe Grüße
    Alex

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