Allein unter Jungs

Jul
19/16

Da war er wieder, der Blick. Die Frau an der Raststätte hatte begeistert die Arme ausgebreitet, als meine Kinder hintereinander hereingerannt kamen. Sie hatte sanft einen Arm ausgestreckt um sie anzuhalten, sich heruntergebeugt und genau hingeschaut: „Lasst mich mal sehen, Junge, Mädchen, Junge?“, hatte sie gesagt und gelächelt und dabei nacheinander auf je einen gezeigt. „Ist das schön.“ Ich hatte lachend den Kopf geschüttelt: „Nö, drei Jungs!“ Sie: „Ohhhhhh-ha….!“
Mädchenwunsch, Jungsmama sein,
Als ich mit meinem dritten Jungen schwanger war, hatte ich hier ein paar mal darüber geschrieben. Darüber, dass ich mir von Herzen ein Mädchen gewünscht hatte. Dass ich ein klein wenig enttäuscht gewesen war – bei aller Freude, dass mein Kind gesund war. Und wie sehr ich genervt war, von all den Leuten, die mich bemitleideten. Nach dem Motto: „Drei Jungs, du Arme!“

Ich wollte eigentlich eine Serie daraus machen hier auf dem Blog, ja ein Buch dazu schreiben. Ich hatte mir schon Notizen gemacht, eine Probekapitel geschrieben. Dann legte ich es irgendwann zur Seite. Dank meinen drei Kindern hatte ich keine Zeit mehr. Ich wollte es später machen, wenn die Jungs ein wenig größer waren. Vor kurzem habe ich es gefunden. Und gelacht. Denn: Ich hatte überhaupt nicht mehr daran gedacht. Es hat mich kein Stück mehr beschäftigt. Es war nicht mehr wichtig. Ich habe dann übrigens ein Bastelbuch geschreiben. Eins für alle.

Ich will ehrlich sein: Klar denke ich manchmal: Mensch, so ein Mädchen, das wär schön. Aber genauso oft denke ich auch: „So ein Kind das reitet, das wär schön.“ Oder: „So ein Kind mit dunklen Locken – hach, das wär was. Das wär schon süß.“ Ich will sagen, klar wünscht man sich manchmal etwas, das man nicht hat. Dennoch würde ich für nix in der Welt meine Kinder eintauschen. Mit der Zeit werden sie immer mehr kleine Persönlichkeiten – schnurzpiepsegal, ob sie Jungs oder Mädchen sind. Wir erzählen, wir spielen, wir malen, wir kuscheln zusammen – in Geschlechterfragen denke ich dabei überhaupt nicht. Kein Stück – bis mich mal wieder jemand von außen darauf aufmerksam macht. Und mir erzählt, wie unglaublich anstrengend es mit drei Jungs wohl zwangsläufig sein muss. (Also ich habe hier öfter Mädchen in Pflege, ich kann sagen, ich finde sie kein bisschen weniger anstrengend. Anders anstrengend – aber nicht weniger.)

Klar gibt es da Jungs-Dinge, die ich nicht immer nachvollziehen kann. Das ständige Aufeinandergeliege und Geraufe zum Beispiel. Das ewige Schimpfwörterbenutze. Der hundertfache Griff ans beste Stück. Die Leidenschaft für angekokelte Holzstäbe. Aber sonst: ich fühle mich hervorragend als Henne im Korb. Und auch angesichts dessen, was in der Welt da draußen alles Schreckliches passiert, kann ich umso mehr sagen: Völlig egal welches Geschlecht. Hauptsache gesund.

An der gleichen Raststätte, inzwischen wieder draußen und an einem kleinen Spielplatz, bekam ich übrigens kurze Zeit später folgendes mit: Meine Jungs spielten mit anderen Kindern auf der Rutsche. Alle stellten sich gegenseitig vor und ein fremder Junge fragte aus irgendeinem Grund meine Jungs nach einer Schwester. „Wir haben keine Mädchen“, sagte einer meiner Söhne entsetzt. Und dann: „Außer unsere Mama! Die ist bei uns was ganz Besonderes.“

Liebe Grüße,

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9 Kommentar zu “Allein unter Jungs

  1. girlfrommars1 on 19. Juli 2016 at 19:20 geschrieben

    Der letzte Satz von deinem Kleinen ist so schön ! Ich denke auch hin und wieder darüber nach , ob es nicht ruhiger wäre , wenn ich statt zwei Jungen , zwei Mädchen hätte . Meine Freundin hat zwei Mädchen im gleichen Alter . Ich denke auch , es wäre auf jeden Fall ruhiger , aber ich finde die Charaktere meiner Jungs soo toll , dass ich mir jedes Mal denke , wie dumm ich eigentlich bin , daran einen Gedanken zu verschwenden . Mein Großer ist außerdem in der Malschule , liebt Pippi Langstrumpf und ist begeisterter Theaterspieler . Was will ich mehr ! Die meisten Leute finden Mädchen leichter , weil sie leise sind und man so schöne Sachen für die kaufen kann . Aber hätte ich ein Mädchen würde es auch keine Barbie sein , sondern eher Lotta aus der Krachmacherstrasse ! So , dass musste mal raus ! Deine Dreier Bande ist super ! Lg

    • Ich habe einen Sohn, kann da also (noch) nicht so viel zu sagen. Ich hatte allerdings immer eher „Angst“ vor einer Tochter, hatte Angst, dass sie so anstrengend wird, wie ich als Kind ;-). Die laut-leise-, ruhig-aufgeweckt-Frage lässt sich glaube ich nicht am Geschlecht fest machen. Ich habe immer gedacht, wenn ich ein zweites Kind bekomme und es wieder ein Junge wird, dann möchte ich in jedem Fall noch ein Drittes und dann unbedingt noch einen Junge. Jetzt bin ich wieder schwanger, möchte das Geschlecht aber (noch) nicht erfahren, weil es mir wirklich absolut egal ist – ein schönes und aufregendes Gefühl!
      In diesem Sinne, ein Hoch auf alle bunten Familienkonstellationen, die es heutzutage so gibt. Liebste Grüße.

  2. Motherofthree on 19. Juli 2016 at 21:00 geschrieben

    Dito! Hier ists genauso! Ein kleines blondes Mädchen mit Sommersprossen, der ich Kleidchen anziehen und Spängchen in die Haare klemmen kann…das hatte ich mir schon sehr gewünscht, besonders beim dritten Kind! Zunächst war ich auch ein wenig enttäuscht. Das gebe ich schon zu. ABER: wie großartig ist dieser kleine Babyjunge bitte!? Wie frech und aufgeweckt schaut er bereits mit 6 Monaten in die Welt hinein und wie bezaubernd ist dieses zahnlose Lächeln! Es ist so, wie es ist und es ist alles perfekt! Drei kleine Leben sind mir anvertraut, ob Männlein oder Weiblein ist doch völlig egal! Mittlerweile bin ich sogar ein bisschen stolz, vielleicht geht es Dir auch so!? Wenn jemand mal wieder eine Bemerkung macht wie „3 Jungs? Oh Gott!“ denke ich mir „Na klar, na und? Ich bin halt ne coole Mama und wir rocken dieses Jungs- Ding hier total;-)“ Ich liebe es und freue mich wie ein Schneekönig, wenn mein Großer erzählt:“Ja, wir sind 4 Jungs (mit Papa) und ein Mädchen, unsere Mama! Unsere Mama ist die beste!“ und der zweite bekräftigt:“Jaaaa, Mamaaa is beste!“

    • Claudia on 19. Juli 2016 at 22:02 geschrieben

      Ja, diese kleinen Mama-Fan-Sprüche aus zuckersüßen Jungsmündern pusten Tüllrock-Kauf-Fantasien schnell weg ; )

      Und jepp, ich bin auch stolz! Alles Liebe!

  3. pennycentury on 20. Juli 2016 at 15:08 geschrieben

    Liebe Claudi,

    also ehrlich, ich finde auch, Kinder sind Persönlichkeiten, Individuen, Geschlecht ist da zweitrangig. Klar, bei Tochter ist viel rosa, aber jeder, der sie kennt, bestätigt, dass sie genauso wild und laut ist wie ein Junge. Und ich persönlich kenne auch sehr ruhige Jungs. Also was soll’s. Heutzutage. Wir wollen doch Menschen, nicht Geschlechter.

  4. Toller Beitrag! Finde ich sehr spannend, bei meinen beiden Jungs ist das auch so. Sie toben nur herum und sind sehr aktiv! Aber ich bin als Papa natürlich auch Stolz auf meine Jungs. Im Alter wird es dann sicherlich ruhiger, es sind ja noch Kinder 🙂

  5. Sarah on 14. Januar 2017 at 23:30 geschrieben

    Wow – der Artikel befreit und spricht mir aus dem Herz – ich bin auch die Henne unter 3 Jungs bzw inklusive Mann: 4 Jungs. Für mich war es in der 3.Schwangerschaft schrecklich, dass mir viele Leute Mitleid Aussprachen: „das tut mir leid, noch ein Junge!“ – wie traurig: ich bekomme ein Kind und die Menschen sagen mir, es ist schlimm ? Seltsam. Letze Woche war ich auf einem Fest und eine Mutter (mit dem 2.kind schwanger) erzählt, wie schrecklich es wäre noch einen 2.jungen zu bekommen…ich saß direkt daneben und hätte auf den Tisch hauen sollen….es hat mich so traurig gemacht, dass ich einfach aufgestanden bin und aus dem Zimmer ging.
    „Hauptsache ein Kind“- das wäre doch eine schöne Haltung – egal, was es mit sich bringt: Krankheit, Junge oder Mädchen…das habe ich auch von einer Freundin mit einem Kind mit gendefekt gelernt…sie fühlt sich durch die Aussage „Hauptsache gesund“ sehr verletzt…ihre Tochter ist ein Geschenk – auch wenn sie unseren Vorstellungen von „gesund“ nicht entspricht…
    Lg

    • Claudia on 19. Januar 2017 at 14:46 geschrieben

      Was für schöne Gedanken – auch die deiner Freundin.
      Ich habe ja auch eine Weile gebraucht um so zu denken und mir gerade beim dritten Mal wirklich sehr ein Mädchen gewünscht. Aber inzwischen möchte ich meine Jungs um keine Mädchen der Welt wieder hergeben. Ich denke einfach überhaupt nicht mehr darüber nach: Junge, Mädchen… Unwichtig. Meine Kinder sind Kinder. Persönlichkeiten. Und zwar für mich die allertollsten.

      Ganz liebe Grüße,
      Claudi

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