15 Dinge, die ich am Jungsein vermisse (und auch ein bisschen an meiner Heimatstadt)

Apr
27/17

Eigentlich fühle ich mich nicht alt. Kein bisschen. Doch wie mein Sohn letztens meinte, gehöre ich inzwischen zu den Mittelalten. Hier ein paar Dinge, die ich am Jungssein wirklich vermisse (und außerdem an meiner Heimat Hildesheim, eine Kleinstadt mitten in Niedersachsen). Okay, zumindest ab und zu…
Hildesheim, alte Zeiten, Erinnerung

  • Ein großer See zum Herumlaufen (also kleiner als die Alster, viel kleiner). Der Hohnsensee in Hildesheim hat tatsächlich die ideale Herumlaufgröße.
  • Zuckerrübenfelder. Und der erdige Duft von Rübe in der Mailuft.
  • „Dance up de Deel“ zum ersten Mai.
  • Diesen Kaffee.
  • Mamas Wärmflasche im Bett.
  • Papas Taxifahrt zur Party. Bis vor die Stufe. Und wieder abholen.
  • Eine bunte Tüte am Kiosk kaufen. Oder Dosenbier. Oder eine Dose Ravioli. Egal, hauptsache am Kiosk.
  • Erdbeeren verkaufen, in der Sonne, den ganzen Sommer lang, rote Fingerspitzen haben und knallbraune Beine und abends mit Freundinnen treffen und die restlichen Erdbeeren als Bowle trinken
  • Flirten mit den Polizisten im Polizeiwagen hinter uns, überholt werden und erschrocken gucken über ihr lichtrotes „Bitte abfahren“-Signal. Aber dann ihr Pappschild mit „Kaffee?“ entdecken…
  • Regelmäßig ein Bier trinken gehen mit meinen Mädels. In Hamburg trinken alle Gin und Grünkernsaft und Gurkenbrause. Zuhause haben wir Bier getrunken. Vom Fass. Mit Anstoßen und mit weißem Schaumschnauzer zum Abschlecken.
  • Überhaupt, meine Mädels von früher.  Mehrmals die Woche mit ihnen lachen, weinen, stundenlang klönen, sich neue Namen überlegen, weil man aus Versehen mit dem Jahrgangswitzbold geküsst hat, auch mal nichts sagen, Sonnenblumen vom Feld klauen (und vor dem Bauern mit dem Luftgewehr davonlaufen), eine rauchen, einen trinken, fremde Parties stürmen, einen Mordsspaß haben
  • Dieses hier bei aufgekurbeltem Fordfiestafenster hören (mit lila Perrücken auf dem Kopf. Lagen immer auf der hinteren Autoablage. Fragt mich nicht…).
  • Mal wieder zu Narcotic bis zu Decke hüpfen und hüpfen und hüpfen. Danach schweißnass nach draußen gehen und quatschen und dabei kein bisschen frieren.
  • Bei einer Party nachts heimlich das Buffet plündern, für die Afterparty mit den Mädels zuhause, und plötzlich von der Gastgeberin eine Tupperdose angeboten bekommen
  • Überhaupt: mit den Mädels in einem Raum schlafen: Knautschauge an Knoblauchfahne. Oder hinten im alten Postgolf.
  • Gemeinsam nach einer Party eine Maske auflegen. Tonerde. Gegen die Schlechtigkeit.

Danke für die Inspiration zu diesem Artikel und fürs Erinnern Joanna.
Und was vermisst du?

Liebe mittelalte Grüße,

24 Kommentar zu “15 Dinge, die ich am Jungsein vermisse (und auch ein bisschen an meiner Heimatstadt)

  1. Liebe Claudi,
    so ein schöner Beitrag! Dadurch, dass ich immer eher zurückhaltend war (und bin), habe ich mich wenig getraut und so … und heute denke ich oft, dass ich so Vieles verpasst hab dadurch … was ich aber auf jeden Fall vermisse, ist dieses Gefühl von „Zuhause“. Ich bin mit 16 ausgezogen und lebe nun schon viele Jahre in Hamburg. Immer wieder habe ich mich gefragt, ob Hamburg richtig ist für mich. Mir fehlte einfach was … etwas, das immer da ist, sobald ich auf Helgoland ankomme. Lange dachte ich, dass es an Hamburg liegt. Bis ich zur Beisetzung meiner Oma das erste Mal zwei Tage allein bei meinen Eltern war. Ohne Kind und Mann. Mein Papa hat an einem Abend in die Runde gefragt, ob jemand eine Manadarine möchte. Ganz simpel. Aber -zack- da war es, was ich in Hamburg all die Jahre so sehr vermisste hatte. Dieses Gefühl, Kind zu sein, zu Hause zu sein, sich um nichts kümmern, keine Gedanken machen, keine Erledigungen. Ganz unbeschwert. Das vermisse ich. Sehr. Aber zum Glück weiß ich das jetzt. Es liegt nicht an Hamburg 😉
    Sooo, und nun muss ich mal fleißig sein …;-)
    Liebe Grüße,
    Dorthe

    • Claudia on 27. April 2017 at 23:24 geschrieben

      Liebe Dorthe, manchmal braucht es vielleicht ein wenig Zeit, bis man weiß, hey, das hier ist mein Zuhause.
      Und manchmal muss es vielleicht auch gar kein Ort sein. Sondern ein Mensch oder mehrere.
      So gern ich meine Heimat habe: zwei Sommer-Abende am Elbstrand, mit all den Lagerfeuern und den großen Kränen, und ich war mir sicher: hier will ich so schnell nicht wieder weg.
      Ich schicke dir ganz liebe Grüße,
      Claudi

  2. Anna-Maria on 27. April 2017 at 11:39 geschrieben

    Hallo Claudi,
    Hildesheim, dass​ ist ja fast um die Ecke.
    Wenn ich das so lese müsste ich auch schon mittelalt sein. 🙂 (27?!)
    Allerdings kommt es mir auch schon eine Ewigkeit weit weg vor. Besonders Narcotic auf einer Party hören, bis der Zeltboden bricht. Hier auf dem Lande waren die Zeltfeste sowieso legendär. Es gab aber auch nichts anderes. 😊

    Danke für die schönen Erinnerungen!

    Euch ein schönes langes Wochenende!
    Liebe Grüße aus Minden,
    Anna-Maria

    • Claudia on 27. April 2017 at 23:18 geschrieben

      Irgendwie ließ es sich auf Bretterboden besonders lustig feiern, oder? Und in Scheunen und Kellern.
      Auch dir ein tolles Wochenende, wer weiß, Sonntag Abend vielleicht mit Liquido an Holzboden? ; )
      Herzlichst, Claudi

  3. Katti on 27. April 2017 at 16:15 geschrieben

    Oh Claudi! Wir hatten eine so schöne Zeit!!!! Ich vermisse es auch 😘
    Liebe Grüße aus meinem Garten nach Hamburg!
    Katti

  4. Kerstin on 27. April 2017 at 19:33 geschrieben

    Hach. Genau so. Seufz. Narcotic! Bier statt Modegetränk. Genau. Und am nächsten Tag merken, dass es doch wieder zu spät war und am übernächsten Tag wieder von vorne. Donnerstag ist der kleine Freitag und so. Wer fährt? Bedienen gehen für den nächsten Urlaub. Den Türsteher der Dorfdisco mit Namen kennen und eine Runde mit ihm quatschen. Beim örtlichen Blumenfest (!!!) einen Blumentopf mit Blume gewinnen. Jedes Jahr. Herrlich. Alles richtig gemacht. In die Großstadt ziehen und es lieben. Und zurück in die Heimat ziehen und es wieder lieben.
    Danke für’s Erinnerungen anstupsen!

  5. Ach wie lustig! Du kommst aus Hildesheim? Wir sind kurz vor der Geburt vom großen Kind von Hamburg nach Hildesheim gezogen und ganz froh darüber. „Jugend“ in der Großstadt und Mamasein in der Provinz ist auch ganz nett… Bei meiner nächsten Runde um den Hohnsen denk ich an dich und schicke dir ein paar Hildesheimvibes in den Norden. 😉
    Herzlichen Gruß von Ulrike (gefühlt gerade seeeehr alt)

    • Claudia on 27. April 2017 at 23:13 geschrieben

      Ach echt, na klar, so rum geht es auch. Hildesheim ist so gemütlich!
      Freu mich auf die Vibes ; )
      Liebe Grüße!

  6. Sharon on 28. April 2017 at 08:13 geschrieben

    🙂

    Ich wohne im Erzgebirge und komme aus NRW, ca. 600km bis zu meinen Eltern. Eigentlich brauche ich nur einen Satz, für das was ich vermisse (außer dem Treffen mit den Freundinnen), hört sich vielleicht ein bisschen irre an: Ich vermisse das Räuspern von meinem Papa! Als Kind wenn ich mich beim gemeinsamen Einkauf verirrt habe musste ich nur warten bis er sich räuspert und habe ihn so gefunden 😉

    • Claudia on 28. April 2017 at 08:44 geschrieben

      Wie besonders, so ein besonderes Räuspern. Nimm es doch mal auf, dann kannst du es immer abspielen. Wie schön!
      Ganz liebe Grüße,
      Claudi

  7. Doro on 28. April 2017 at 14:35 geschrieben

    Achkomm, Hildesheim? Der Duft nach Zuckerrüben, wenn der Wind aus Richtung Nordsternen weht 🙂 ich komme aus Springe, auch wenn ich jetzt schon 13 Jahre in Frankfurt lebe.
    Ganz liebe Grüße, Doro

    • Doro on 28. April 2017 at 14:35 geschrieben

      Nordstemmen… klar, dass Autokorrektur das nicht kennt… 🙂

    • Claudia on 28. April 2017 at 18:07 geschrieben

      Yes, genau so. Und wenn der Kaliberg glitzert wird schönes Wetter, stimmts? Sagt meine Mutter 😉. Hihi, wie lustig!
      Alles Liebe von neuer Heimat zu neuer Heimat,
      Claudi

  8. Frauke on 29. April 2017 at 14:15 geschrieben

    Hey! Ich studiere zurzeit in Hildesheim und wohne direkt neben dem wunderbarern Delikatessenladen! Ich kaufe mir genau diesen Kaffee und möchte nie wieder einen anderen trinken! Ich genieße gerade die Marktstimmung auf dem Neustädter Markt und bin heute morgen-wie sollte es anders sein- am Hohnsensee gelaufen! Danach mache ich immer einen kleinen Abstecher über den Kehrwiederwall und blicke sehnsüchtig auf die kleinen Gartenparadiese der glücklichen Bewohner der Altstadt! Hildesheim ist so eine schöne, gemütliche und idyllische Stadt! Ein wahres Zuhause 🙂
    Liebe Grüße aus deiner alten Heimat!

    • Claudia on 29. April 2017 at 16:42 geschrieben

      Hach, das klingt genauso so, wie ich es früher gemacht habe.
      Ich wünsch dir weiterhin wunderbare Zeiten in Hildesheim.
      Liebe Grüße!
      Claudi

  9. Katrin on 3. Mai 2017 at 20:59 geschrieben

    Die Polizei Geschichte ist super! Habt Ihr einen Kaffee getrunken????

  10. Sina on 7. Mai 2017 at 00:17 geschrieben

    Liebe Claudia, ich frage mich auch immer wieder, wo die Zeit so schnell hin ist. Plötzlich ist man Ehefrau, Mutter und lebt auf dem Land – so rum ist es bei mir:) Und die guten alten Erinnerungen und das Heimweh kommen zwischdurch immer wieder. Aber so schön die Vergangenheit auch ist, sie ist in meinem Herzen gespeichert, aber die Zeit im Jetzt mit meinen kleinen Kindern genieße ich sehr. Es ist eben alles anders.

    Liebe Grüße
    Sina

  11. Mandy on 8. Mai 2017 at 10:50 geschrieben

    Ach wie schön 🙂
    Ich komme auch aus Hildesheim und trinke am liebsten Bier 😀

    Liebe Grüße aus der Heimat 🙂

  12. Heike on 31. Juli 2017 at 22:38 geschrieben

    Liebe Claudi,
    ich komme aus einem Dorf unlängst von Hi und habe gerade diesen Beitrag auf deinem Blog gefunden. Ich erkenne mich in vielem wieder, auch wenn ich meine Jugend biertrinkend in Göttingen verbracht habe.
    Leider ist heute eine Ära in Hi zuende gegangen: Schäferhenrich hat zugemacht! 😢
    Liebe Grüße aus der Heimat,
    Hake

    • Claudia on 1. August 2017 at 09:18 geschrieben

      Oh nein, wirklich wahr?
      Von wo soll meine Mama mir jetzt den besten Kaffee mitbringen?
      Traurige Grüße!

      • Heike on 1. August 2017 at 13:55 geschrieben

        Ich finde es auch so traurig.
        Wir sind auch schon am rotieren, wie wir diesen Verlust kompensieren sollen.
        Es ist echt so schade! Es gab leider keinen Nachfolger!
        Herzliche Grüße!

Schreibe einen Kommentar zu Sina Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Post Navigation